„Die Trikotsammler sind die wahren Experten!“

1973 revolutionierte Günther Mast die Bundesliga, als er die Trikots des Traditionsklubs Eintracht Braunschweig mit dem Jägermeister-Hirsch bedrucken ließ. Wie entwickelte sich das Trikotsponsoring seitdem? Wie sahen die Trikots in über 50 Jahren Bundesliga-Geschichte aus? Und wer waren ihre Ausrüster? Fragen, mit denen sich Trikot-Fan und Autor Stefan Appenowitz in seinem Buch „Das große Trikotbuch der Bundesliga“ beschäftigt. 2017 ist die Veröffentlichung geplant. Zahlreiche Sammler, Ex-Profis, Ausrüster und Sponsoren unterstützen den 47-Jährigen beim größten „Trikot-Crowdsourcing-Projekt“ der zurückliegenden Jahre. Im Interview mit vergissmeintrikot.net spricht Appenowitz über sein Buch, die besonderen Herausforderungen und gibt einen Vorgeschmack.

Stefan, die Geschichte und Entwicklung der Trikots aus über 50 Jahren Bundesliga in einem Buch zu vereinen klingt nach sehr aufwendiger Recherche. Wie entstand die Idee? 

Die Idee zu dem Buch hatte ich schon vor zehn Jahren. Ich habe mich immer schon für Trikots und die Geschichte dahinter interessiert. Schon als Kind und später als junger Mann habe ich bei Bundesligaspielen auf die Sponsoren und Ausrüster der Klubs geachtet. In den 80ern waren das vornehmlich Adidas und Puma. Die Sponsoren hingegen wechselten öfter. Da waren viele interessante Namen dabei. Das hat mich einfach fasziniert. Und diese Faszination hat mich mein Leben lang nicht losgelassen. Ich wollte der Sache einfach mal auf den Grund gehen. Deshalb dieses Buch.

Das 2017 auf den Markt kommen wird. Ab wann war dir klar, dass dein Traum nach zehn Jahren in Erfüllung geht? 

Im Frühjahr dieses Jahres habe ich endlich einen Verlag gefunden, der das Buch mit mir so durchziehen will, wie ich mir das vorstelle. Ein sehr guter Freund von mir arbeitet als Produktmanager in einem Münchner Verlag. Ihn habe ich eigentlich nur bei der Themensuche unterstützen wollen, weil ich mich im Sportbuchmarkt ganz gut auskenne. Dabei habe ich ihm dann auch mein Buchprojekt vorgestellt und der Verlag hat nach recht kurzer Zeit zugesagt. Schon 2006 und 2011 führte ich Gespräche mit Verlagen, doch es hat aus unterschiedlichen Gründen nicht geklappt.

Buchautor Stefan Appenowitz

Buchautor Stefan Appenowitz

Nun wurde die Hartnäckigkeit und dein Faible für Trikots belohnt.

Wie schon am Anfang kurz erzählt, habe ich mich von Anfang an, seit ich Fußball denken kann für Trikots interessiert. Zwar habe ich nie selber aktiv im Verein gespielt, aber in der Schulmannschaft und mit Freunden auf dem Bolzplatz war ich immer Torwart. Mein erstes Torwarttrikot war von Norbert Nigbur. Später war ich dann großer Fan von Helmut Roleder. Ich habe immer das grüne Trikot von ihm aus der Meistersaison 1984 haben wollen, weil es mir so gut gefiel. Nur gab es das nirgendwo zu kaufen. Mitte der 80er Jahre war das Merchandising noch nicht so ausgeprägt. Gesammelt habe ich Trikots auch nie wirklich. Klar habe ich als Gladbach-Fan meine 20 Fantrikots im Schrank liegen, aber ich bin da nicht so besessen wie die Trikotsammler, mit denen ich jetzt für das Buch zusammenarbeite.

Stichwort Trikotsammler: Welchen Stellenwert nehmen sie in deinem Buch ein?

Das Buch steht und fällt mit den Sammlern. Das sind die wahren Experten. Ich bin hier nur der Kurator. Ich trage die Trikots zusammen. Der Trikotanteil im Buch wird schon sehr viel Platz einnehmen. Mindestens 50 %, vielleicht sogar etwas mehr, denn es gilt ja mehr als fünf Jahrzente Bundesliga abzubilden.

Werden alle je getragenen Trikots im Buch abgebildet? 

In meinem Ursprungskonzept wollte ich jedes jemals in der Bundesliga gespielte Trikot nach Saisons oder Vereinen abbilden. Das Vorhaben musste ich sehr schnell aufgeben. Es ist nicht zu schaffen und zudem vielleicht auch etwas langweilig auf Dauer. 2013 habe ich mich zum ersten Mal mit mehreren Sammlern getroffen. Darunter war auch Bernd Kreienbaum, den du hier schon vorgestellt hast. Dort ist dann die Idee geboren, die interessantesten und spannendsten Trikots und Geschichten aus 54 Jahren Bundesliga zusammenzutragen und vorzustellen. Und darauf wird es jetzt hinauslaufen.

Klingt sehr nach einem „Trikot-Crowdsourcing-Projekt“.

Ohne die Sammler geht gar nichts. Sie sind meine Stütze und meine Partner bei diesem Buchprojekt. Ich bedanke mich schon jetzt bei allen, die mir Ihre Mitarbeit zugesagt haben und auch schon kräftig Bildmaterial und Geschichten geliefert haben.

„Die Trikotsammler sind die wahren Experten!“

 

Und bei allen, die eventuell durch dieses Interview noch dazu kommen und Lust haben mich bei der Umsetzung dieses Projektes weiter zu unterstützen. Auch wenn ich am Ende sicher nicht alles unterkriegen werde und eine Auswahl treffen muss. Als Grundlage kann ich gar nicht genug Trikots haben.

Mit wie vielen Sammlern stehst du derzeit in Kontakt?

Von den ersten Zwanzig der ewigen Bundesligatabelle habe ich mindestens einen Sammler an der Hand. Von Klubs wie Bayern, Stuttgart, Gladbach, Werder, Frankfurt, Bochum, Kaiserslautern, Köln bin ich schon sehr gut versorgt. Von anderen Klubs wie Schalke, Dortmund, Duisburg, Hannover, Mainz, Hertha, Bielefeld könnte ich noch einiges mehr gebrauchen. Alle diese genannten Vereine haben eine so reichhaltige Trikotgeschichte, da bin ich dankbar über jeden Sammler, der vielleicht noch ein Schmuckstück im Schrank hängen hat, das unbedingt ins Buch gehört. Samt der Geschichte dazu.

Auf welche Trikotgeschichten darf sich der Leser einstellen?

Es gibt unheimlich viele. Zum Beispiel von Trikots, die nur ein einziges Mal in einer Saison gespielt wurden. Oder Fehldrucke des Ausrüsterlogos. Auch das Sponsorlogo, welches einfach mit dem Logo des neuen Sponsors überklebt wurde. Ebenso Sondertrikots aus einem bestimmten Anlass.

Wie sieht es mit den Trikots der Vereine aus, die nur in den Anfangsjahren oder lediglich ein Jahr in der Bundesliga spielten?

Bei Vereinen wie Tasmania Berlin, Blau Weiß 90, Tennis Borussia Berlin, Fortuna Köln, RW Oberhausen, SpVgg Unterhaching, Wuppertaler SV, Wattenscheid 09, Dynamo Dresden, Borussia Neunkirchen, Preußen Münster, SSV Ulm, 1, FC Saarbrücken, Darmstadt 98, Rot-Weiß Essen, SC Paderborn oder Greuther Fürth ist es eine große Herausforderung. Mein Ziel ist: mindestens ein Originaltrikot von diesen Klubs abzubilden. Und wenn der entsprechende Sammler sogar noch eine tolle Geschichte dazu auf Lager hat oder gar den Kontakt zum Spieler hält und O-Töne liefern kann, umso besser. So etwas freut mich dann ganz besonders. Ich war neulich bei der Meisterausstellung der 60er zum 50. Jahrestag der einzigen Meisterschaft der Löwen. Da war auch ein Trikot aus der Meistersaison ausgestellt. Das gehört natürlich ins Buch.

Adidas und Puma zählten zu den Ausrüstern, die den Markt zu Beginn der Bundesliga beherrschten. Bayer Leverkusen beispielsweise wird ab der kommenden Spielzeit von Jako ausgestattet. Inwieweit widmest du dich der Entwicklung der Ausrüsterlandschaft in Deutschland?

Die Geschichte der Ausrüster ist neben dem umfangreichen Bildteil einer der Hauptgründe, warum ich das Buch schreibe. In den Anfangsjahren der Bundesliga hießen die Ausrüster noch Palme, Hummel, Umbro, Admiral, Erima oder LeCoq Sportif. Und die Ausrüster waren im Grunde noch gar keine Ausrüster, wie man sie heute kennt. Die Klubs haben sich ihre Trikotsätze oft noch im örtlichen Sporthandel gekauft und dann oft viele Jahre getragen bis sie vollkommen zerschlissen waren. In den 80ern stand zwar oft Puma oder Adidas auf den Trikots, aber in Wirklichkeit waren die Hersteller immer noch Erima oder Palme. Es wurde nur das jeweilige Logo aufgestickt oder gedruckt. In den 90er Jahren und später um die Jahrtausendwende wurde es dann bunter und weitere Ausrüster – allen voran Nike – stürmten das Feld. Dazu der Materialwandel vom Baumwolltrikot bis zum heutigen Hightech-Produkt.

Dem Trikot wird heute eine eigene Zeremonie vor der Saison gewidmet. Ob ein Videotrailer, die Live-Präsentation vor Tausenden von Fans oder wie beispielsweise im Falle des neuen Gladbach-Trikots eine versteckte Trikot-Präsentation im TV. Ausrüster und Vereine überraschen immer wieder mit neuen Ideen, um das Trikot zu positionieren. Welche Rolle wird das Merchandising in deinem Buch spielen?

Der zweite redaktionelle Schwerpunkt neben den Ausrüstern ist die Geschichte des Trikotsponsorings und des Merchandisings. Nachdem das Trikotsponsoring mit Jägermeister Fahrt aufnahm, folgten Unternehmen wie BP, Trigema, Portas, Erdgas, die Continentale, Iveco/Iveco Magirus, Opel oder DBV. Diese Sponsoren waren oft viele Jahre Partner ihrer Klubs. Andere Unternehmen und Marken verschwanden schnell wieder. 

Dieter Bast im Trikot des VfL Bochum I Sponsor Osborne I Quelle: Werke Bildagentur

Dieter Bast im Trikot des VfL Bochum I Trikotsponsor Osborne I Quelle: Werek Bildagentur

Besonders spannend ist die Geschichte des Sponsorings von Samsung beim 1.FC Köln und bei Eintracht Frankfurt. Das war der erste größere Markenauftritt dieses Unternehmens in Deutschland. Heute ist Samsung ein Weltkonzern. Oder das Merchandising. In einem Interview mit dem Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach, Stephan Schippers, war zu lesen, dass vom letztjährigen Heimtrikot 100.000 Stück verkauft wurden und vom Champions League Trikot 22.000 Stück. Wenn man das auf die Trikotpreise von durchschnittlich 80 Euro pro Stück hochrechnet, sind das in der Saison fast 10 Mio. Euro an Umsatz nur aus Trikotverkäufen. Dem wirtschaftlichen Teil des Merchandisings und die Entwicklung dessen über die letzten zwanzig, dreißig Jahre wird im Buch tiefer und weiter nachgegangen.

Ob das berühmte „Papageientrikot“ des VfL-Bochum, die „Wiesn-Jerseys“ vom TSV 1860 München oder das „Karnevalstrikot“ vom 1. FC Köln – bestimmte Shirts haben ihren Platz unter den hässlichsten Trikots aller Zeiten sicher. Wird es auch ein best of der Trikot-Fehlgriffe aus über 50 Jahren Bundesliga geben?

Ich habe bei meiner Recherche einige interessante Trikots gesehen. Das Thema Mode, Trikotgestaltung und Trikotdesign wird eine Rolle spielen. Mode ist bekanntlich Geschmackssache und jede Saison regen sich die Fans über die neuen Trikots ihrer Klubs auf. Die Hochschule für Mediadesign in Düsseldorf kürt zum Beispiel seit einigen Jahren den jährlichen Trikotmeister (www.trikotmeister.de). Es ist interessant hier die verschiedenen Blickwinkel zu beleuchten. Auf der einen Seite die Fans, auf der anderen Seite Menschen, die sich beruflich mit Mode und Design beschäftigen oder gar die Trikots für die Klubs entwickeln. Ein Sammler hat mir sogar Fotos von Promotrikots geschickt, wo der Sponsor Einfluss auf die Farbgestaltung der Trikots nehmen wollte. Da kamen einige Farben beim Verein nicht besonders gut an, speziell wenn es die Farben des ärgsten Rivalen sind.

Das berühmte Papageientrikot des VfL Bochum I Aus der Sammlung von Bernd Kreienbaum

Das berühmte „Papageientrikot“ des VfL Bochum I Sammlung: Bernd Kreienbaum

Zu den von Dir in der Frage genannten Trikots. Diese Sondertrikots spielen im Bildteil eine große Rolle. Denn sie alle erzählen ja eine Geschichte. Da werden einige Highlights dabei sein. Speziell der VfL Bochum hat eine sehr interessante Trikotgeschichte. So viel verschiedene Ausrüster wie der VfL hatte kein anderer Fußball-Bundesligist. Deshalb wird sicher auch das Faber-Trikot dabei sein.

Stefan, wir sind sehr gespannt auf das Buch und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg!


Eure Unterstützung ist gefragt…

Wer Stefan bei der Umsetzung des Trikotbuches unterstützen möchte, sei es in Form von Bereitstellung von Trikotfotos oder mit Hintergrundwissen aus Unternehmen oder Klubs, kann sich direkt per Mail an ihn wenden. Gesucht werden vor allem noch Trikots aus den Anfangsjahren der Bundesliga, Trikots mit einer besonderen Geschichte im Einsatz in der Bundesliga und Trikots von Klubs mit eher kurzer Bundesligazugehörigkeit. Zudem freut er sich über weitere Gesprächspartner aus den Bundesligavereinen wie Spieler, Ex-Spieler, Zeugwarte, Manager, Merchandise- und Marketingverantwortliche oder aktuelle und ehemalige Mitarbeiter bei Sponsoren, Ausrüstern, Vermarktern und Spielerberatern.

Kontakt:
Stefan Appenowitz I Mail: steveatappenowitz.de I Facebook: Stefan Appenowitz I Twitter: @steveappenowitz


Zur Person: Stefan „Steve“ Appenowitz lebt in München und ist im Hauptberuf in der Mediavermarktung tätig. Stefan schreibt seit seiner Jugend nebenberuflich für Tageszeitungen und Sportzeitschriften. 2008 erschienen die von ihm im Eigenverlag herausgebrachten Fan-Taschenkalender für Borussia Mönchengladbach und den VfB Stuttgart. Zudem ist Stefan Vorstand des 1. Gladbach Fan Klubs Isarfohlen in München.

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