„Aber nicht mit Roy Präger!“

Ob aus den ersten Profijahren bei Stahl Brandenburg und Fortuna Köln, seiner Zeit beim VfL Wolfsburg oder beim Hamburger SV – noch heute besitzt Roy Präger mehr als 100 getragene und getauschte Trikots. Im Trikot-Flashback verrät der heutige Mitarbeiter der Fußballschule des VfL Wolfsburg, welche Jerseys zu seinen persönlichen Highlights zählen und vor allem welche Erinnerungen er damit verbindet. Ein Rückblick auf die Karriere eines Stürmers, dessen Laufbahn in der DDR-Oberliga begann.

Der Schlüssel zum Erfolg: Geschlossenheit und eine klare Hierarchie

6 Spiele, 9:3 Punkte – so lautete die Bilanz des BSV Stahl Brandenburg in der Aufstiegsrundengruppe Nordost A. Als Tabellenerster qualifizierte sich die Mannschaft, in dessen Kader mit Steffen Freund ein späterer Europameister und mit Timo Lange, Christian Beeck sowie dem erst 19-jährigen Roy Präger weitere große Talente standen, für die 2. Bundesliga. „Der Aufstieg mit Stahl Brandenburg“, erinnert sich Präger, „war ein Riesenerfolg für mich.“ Präger selbst hatte seinen Anteil daran. In der letzten DDR-Oberligaspielzeit 1990 / 1991, die die Brandenburger als Tabellenachter abschlossen, kam der Nachwuchsstürmer zwar nur zu drei Einsätzen, doch in der folgenden Aufstiegsrunde spielte er häufiger. „Gegen den 1. FC Union lief ich das erste Mal von Beginn an auf und erzielte das 2:0.“ Dass es mit der Qualifikation vor den Konkurrenten des FC Berlin, der Unioner und dem 1. FC Magdeburg klappte, sei vor allem ein Resultat der mannschaftlichen Geschlossenheit und klaren Hierarchie im Kader gewesen. „Als junger Spieler musstest du dich erstmal hocharbeiten und Bälle tragen“, betont der 44-Jährige. Auch außerhalb des Platzes waren die Rollen klar verteilt. „Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich tagelang auf einen Massage-Termin wartete. Als ich endlich lag, kam Uwe Schulz in den Raum.“ Der Blick des damals 30 Jahre alten Mittelfeldspielers reichte, „um zu merken, dass meine Zeit abgelaufen war.“ Prägers Reaktion: „Alles klar Uwe, du kannst!´“

Zwar verpassten die Brandenburger in der folgenden Saison 1991 / 1992 den Klassenerhalt, doch Präger blieb der 2. Bundesliga erhalten. Der gebürtige Zossener wechselte zu Fortuna Köln. „Sowohl persönlich als auch sportlich war das für mich die richtige Entscheidung.“ Auch, wenn es nicht immer zufriedenstellend lief. „Irgendwann habe ich mir selbst den Spitznamen Chancentod gegeben! Zum Glück konnte ich ihn später wieder ablegen.“ Nach drei Jahren wechselte Präger zur Saison 95 / 96 zum aufstrebenden Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg, der 1995 sensationell das DFB-Pokalfinale erreichte und deren damaliger Trainer Gerd Roggensack Präger schon aus dessen erster Spielzeit bei der Fortuna kannte. Der Beginn einer für beide Seiten großen Erfolgsgeschichte.

„Der Aufstieg war der Grundstein für den Aufbau des VfL Wolfsburg!“

„Allerdings“, erinnert sich Präger, „war das erste Jahr nach dem DFB-Pokalfinaleinzug sehr schwierig. Die neu zusammengewürfelte Mannschaft musste sich erst finden!“ Entsprechend ernüchternd verlief die Hinrunde mit mageren 16 Punkten. „Als wir kurz nach Rückrundenbeginn auch noch mit 0:2 gegen Fortuna Köln verloren, wurde Tacheles geredet. Und danach lief es!“ Wolfsburg rettete sich, beendete die Spielzeit auf dem 12. Tabellenplatz und sorgte ein Jahr später für die Überraschung in der 2. Bundesliga.

Zwei seiner acht Saisontore 1996 / 1997 gelangen ihm im dramatischen Aufstiegsspiel gegen den Aufstiegskonkurrenten FSV Mainz 05 am 34. Spieltag. „Uns reichte ein Unentschieden, Mainz musste gewinnen!“ Nach dem 0:1 der FSVer brachte Präger seine Elf mit einem Doppelpack zurück in die Erfolgsspur. Detlev Dammeier erhöhte noch vor der Pause auf 3:1 per Strafstoß, zuvor wurde Präger von seinem überforderten Gegenspieler Herzberger im Strafraum zu Fall gebracht. Wer von den 15.300 Zuschauern im Stadion am Elsterweg nun davon ausging, dass die Partie entschieden wäre, der irrte. Mainz kämpfte sich zurück ins Spiel. Jürgen Klopp und Abderrahim Ouakili glichen nach der Pause trotz Unterzahl - Herzberger sah vor der Pause bereits Gelb-Rot - zum zwischenzeitlichen 3:3 aus. Doch die Wölfe antworteten. „Wir zeigten an diesem Tag einfach mehr Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen“, so Präger, der auch am 4:3 beteiligt war. FSV-Keeper Dimo Wache senste den überragenden VfL-Akteur im Strafraum um. Erneut traf Dammeier per Strafstoß. Als Sven Ratke wenige Minuten später auch noch auf 5:3 erhöhte, war der Aufstieg besiegelt. Daran änderte auch der Anschlusstreffer von Demandt nichts mehr. Als Tabellenzweiter hinter dem 1. FC Kaiserslautern stiegen die Niedersachsen in die Bundesliga auf. „Für viele Spieler war die 1. Liga ein Traum, der in Erfüllung ging. Gleichzeitig war der Aufstieg der Grundstein für den Aufbau des VfL Wolfsburg in den folgenden Jahren", betont Präger, der auch in der Folgesaison zu den Stützen seiner Mannschaft zählte.

„Lautern feierte die Meisterschaft, wir den Klassenerhalt!“

Gleich im ersten Duell in Rostock erzielte er in der 90. Minute den Siegtreffer. "Ich habe gesehen, dass Perry Bräutigam zu weit rausgekommen war. Dieser Sieg gleich zu Beginn, er war ungemein wichtig für unser Selbstbewusstsein!"

Die Wölfe schafften den Klassenerhalt, wenn auch erst am vorletzten Spieltag und trotz einer 0:4-Niederlage in Kaiserslautern. "Unser Abstiegskonkurrent Köln verlor zeitgleich in Bielefeld. Die Stimmung nach dem Abpfiff auf dem Betzenberg war unfassbar. Lautern feierte als Aufsteiger den Gewinn der Meisterschaft, wir den Klassenerhalt! Eine Mega-Party“, schwärmt Präger noch heute.

1999 folgte die Krönung seiner Zeit beim VfL. Die Niedersachsen qualifizierten sich als Tabellensechster für den UEFA-Cup. Abermals zählte Präger zu den Leistungsträgern. Und er weckte das Interesse weiterer Clubs. Darunter: der Hamburger SV. „Früher habe ich die Spiele des HSV nur im DDR-Fernsehen sehen können, ich musste nicht lange überlegen. Es war eine einmalige Chance für mich“. Prägers erster Klub, mit dem er sich auch international beweisen konnte.

„Spritzig, couragiert und torgefährlich!“

„Vom Zusammenhalt her war die Mannschaft vergleichbar mit der des VfL Wolfsburg. Und wir hatten starke Kicker in den eigenen Reihen. Etwa Rodolfo Cardoso, von dessen Pässen ich häufiger profitierte!“ Zum Beispiel im September 2000 im Duell gegen Hertha BSC. „Gegen Hertha spielte ich immer gerne. Die BSC-Fans mochten mich nie und brachten das auch häufiger zum Ausdruck. Aber nicht mit Roy Präger!“

Der Kicker titelte am 11.09.1999:
Spritzig, couragiert und torgefährlich. Roy Präger war zu keiner Zeit von den Berlinern in den Griff zu bekommen.

Erfolgreich ging es weiter. Angeführt von ihrem Kapitän Martin Groth qualifizierten sich die Hanseaten für die Champions League. Es folgten legendäre Begegnungen: In der CL-Vorrundengruppe traf die Elf von Trainer Frank Pagelsdorf auf Deportivo La Coruna, Juventus Turin und Panathinaikos Athen. Besonders das Rückspiel gegen Juve ist Präger, der im Hinspiel beim legendären 4:4 in Hamburg in der 67. Minute eingewechselt worden ist, in Erinnerung geblieben. „Wir mussten gewinnen, um die Chance auf den Verbleib im Europapokal zu wahren. Als wir das Delle Alpi vor dem Spiel betraten und die Juve-Stars Zidane, Trezeguet, Pessotto oder del Piero in ihren maßgeschneiderten Anzügen den Rasen begutachteten, war uns klar: Heute geben wir richtig Gas!“ Dem haushohen Favoriten schmeckte das gar nicht. Edgar Davids und Zinedine Zidane flogen noch im ersten Durchgang vom Platz. „Jochen Kientz hatte Zidane an die Kette gelegt. Zidane revanchierte sich mit einer Kopfnuss“, schmunzelt Präger, der mit seinem Tor zum 1:0 den Grundstein für den späteren 3:1-Sieg legte.

Der HSV zog als Tabellendritter in den Europa-Cup ein, blieb indes gegen den AS Rom (0:3, 0:1) chancenlos. „Zu Hause gegen den AS Rom durfte ich mich gegen Cáfu versuchen. Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich an meine fußballerischen Grenzen gestoßen bin. Noch nach der Halbzeitpause war mir schwindelig.“ Das Trikot des brasilianischen Weltklasse-Verteidigers ergatterte Präger trotzdem:

Die Spiele auf internationaler Bühne – sie zählten mit zu den Höhepunkten der Karriere des Brandenburgers, der nach drei erfolgreichen Jahren beim HSV zum VfL Wolfsburg zurückkehrte. „Zwar wurde ich unter Gerets und Röber meist als Notnagel eingesetzt, aber nichtsdestotrotz war es der richtige Schritt“, bilanziert Präger. 2005, nach 173 Erstligapartien und 42 Erstligatoren beendete er seine Karriere.

Und heute?

Dem VfL Wolfsburg ist er treu geblieben. „Seit fünf Jahren bauen wir die Fussballschule des VfL Wolfsburg auf und aus. Wir bieten Kindern im Alter zwischen 6 und 13 Jahren Fußballtraining unter professionellen Bedingungen an. Beispielsweise in den regional ansässigen Trainingscamps.“ Auf der VfL-Homepage ist zu lesen, dass neben den fußballerischen Grundlagen auch wichtige Werte wie Teamgeist und Fairness geschult werden. Natürlich verrät Präger dem Nachwuchs dabei auch die ein oder andere Geschichte aus seiner 15-jährigen Profizeit. „Die Anekdote aus meiner Zeit bei Stahl Brandenburg mit der Massagebank und Uwe Schulz kommt immer gut!“

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