RB-Keeper Alex Walke: „Die Trikotsammlung imponiert mir!“

So richtig kennengelernt haben sie sich im Jahr 2010. Seitdem stehen Mario Turloff und Alexander Walke in regelmäßigem Kontakt. Eine gewichtige Rolle spielt dabei die Trikotsammlung von Turloff. Über eine besondere Spieler-Fan-Beziehung, die auch Jahre nach dem ersten Treffen und trotz der großen Distanz nicht abgebrochen ist.

Es war der Todesstoß für den Traditionsclub. Als Fabian Gerber in der 78. Minute sein zweites Tor für den FC Ingolstadt erzielte, jubelten nur wenige im Ostseestadion. Das 0:2 bedeutete das Aus für Hansa Rostock. Der Abstieg in die dritte Liga – er war besiegelt. Wie der Großteil der 15.000 Zuschauer war auch Hansas Schlussmann Alex Walke am Boden. „Viele Fans hatten Tränen in den Augen. Die Menschen in und um Rostock lieben diesen Club!“ Für Walke selbst war das Relegationsspiel am 17. Mai 2010 gleichzeitig der letzte Auftritt im Dress der Hanseaten. Er wechselte nach Österreich, zu RB Salzburg. In Erinnerung ist er den Rostocker Fans bis heute geblieben. Insbesondere Mario Turloff.

Ein Trikotgeschenk war die Initialzündung

Von Walkes Leistungen in dessen erster und einziger Spielzeit 2009 / 2010 bei den Hanseaten schwärmt Mario Turloff noch heute. „Besonders die Ausstrahlung auf seine Vorderleute und sein Einsatzwillen sind herausragend!“ Turloff kennt sich aus, er stand selbst jahrelang im Tor. Heute gibt der 42-jährige Sportlehrer aus Völkshagen bei Marlow (Landkreis Vorpommern Rügen) sein Wissen weiter. Als Torwarttrainer für den Nachwuchs von Hansa Rostock und die erste Herrenmannschaft des Landesklassisten FSV Bentwisch. Und auch zur freien Zeit am Wochenende steht der Fußball ganz im Fokus. „Nach Möglichkeit besuchen wir noch ein Hansa-Spiel.“ Mit wir meint der Familienvater von fünf Kindern seine Söhne Lionel Andres (5) und John (14). Letzterer ist auch der Grund für den Startschuss einer speziellen Trikotsammlung. „Zu seinem 8. Geburtstag erhielt John ein originalgetragenes und unterschriebenes Trikot von Alex Walke. Wir trafen uns im Vorraum zur VIP-Loge im Ostseestadion, John war überwältigt“, erinnert sich Turloff. „Seitdem sammle ich pro Spielzeit ein Original-Trikot von Alex. Er war hier nicht nur Leistungsträger, sondern auch der Liebling der Fans. Inzwischen“, freut sich Turloff, „sind 20 Trikots zusammengekommen.“ Besonders schwierig sei es gewesen, die Jerseys aus der U20 und U21-Nationalmannschaft – Walke spielte u.a. 2003 bei der WM in den Vereinigten Arabischen Emiraten für die DFB-Auswahl - und vom SC Freiburg zu ergattern.

Der bis heute nie abgerissene Kontakt zum Stammkeeper des österreichischen Serienmeisters RB Salzburg hilft ihm bei der Vervollständigung seines Sammlerspezialgebietes. „Unseren Sommerurlaub 2015 haben wir in Österreich verbracht. Unmittelbar nach dem Heimspiel gegen den SCR Altach haben wir uns getroffen. Alex sagte: ,Du hast zwar schon ein paar Trikots von mir, aber für dich mache ich es gerne!´“ 2014, als die Salzburger anlässlich der Qualifikation für die Champions League beim schwedischen Erstligisten Malmö FF gastierten, kümmerte sich Walke um die Tickets für Turloff. „Malmö gewann zwar mit 3:0, doch Alex kam nach dem Spiel zu uns und übergab sein Trikot!“

Alex Walke: „Mario ist ein angenehmer Zeitgenosse!“

„Natürlich imponiert es mir, wenn jemand so viele Trikots von mir sammelt. Mario ist zudem noch ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Wir treffen uns in regelmäßigen Abständen und quatschen miteinander“, sagt Walke, der inzwischen auf eine titelreiche Karriere zurückblicken kann. In Salzburg wurde er nach einer halbjährigen Ausleihe bei Greuther Fürth 2011 dreimal Meister und dreimal Pokalsieger. Und auch in der aktuellen Spielzeit läuft es auf einen Titel hinaus: Die Salzburger sind Tabellenführer und stehen im Pokal-Halbfinale.

Dass seine Karriere eine solch positive Wendung nehmen würde, danach sah es 2003 nicht aus. Walke – damals beim SV Werder Bremen unter Vertrag - war bei der U20-WM in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach dem Spiel gegen die USA (3:1) am 2. Dezember positiv auf Tetrahydrocannabinol getestet worden. „Es war ein Riesenfehler“, bereut er den Cannabis-Konsum noch heute. Nur seinem damaligen Vereinstrainer Thomas Schaaf und dem Manager Klaus Allofs verdankt er, dass die Profilaufbahn nicht vorzeitig beendet war. „Sie haben zu mir gestanden, als der Großteil mich schon abgeschrieben hatte.“ Das Double der Bremer im Jahr 2004 durfte Walke hautnah miterleben. „Ich tauche da zwar nur in der Statistik auf, aber trotzdem war es eine schöne Zeit. Mit Johan Micoud, Ailton, Mladen Krstajic oder Tim Borowski hatten wir eine richtig starke Truppe.“ Spielpraxis sammelte Walke indes nur in der Reserve-Mannschaft.
Als ihm 2005 Tim Wiese vor die Nase gesetzt wurde, wechselte er zum SC Freiburg in die 2. Liga. „Ich wollte unbedingt spielen.“ Im Alter von 22 Jahren debütierte er als Profi. „Wir gewannen mit 2:1 gegen Wacker Burghausen, ich wurde direkt danach ins Sportstudio eingeladen“, erinnert sich der gebürtige Oranienburger, der nicht nur Stammspieler wurde, sondern zwei Jahre später sogar zum Kapitän der Breisgauer aufstieg. Doch erneut erlitt er nach einem Autounfall 2007 einen schweren Rückschlag. Diagnose: Halswirbelbruch. „Wie und ob es danach überhaupt weiterging, war unklar. Es war meine schwerste Zeit als Profi!“ Tatsächlich stand er nach erfolgreich verlaufender OP drei Monate später (!) wieder auf dem Platz. Und dennoch - nach der Spielzeit 2007 / 2008 war Schluss bei den Freiburgern. Walke wechselte innerhalb der 2. Bundesliga zum SV Wehen-Wiesbaden und ein Jahr später zu Hansa Rostock.

„Mein Vater und ich trafen uns in Oranienbug mit dem damaligen Hansa-Trainer Andreas Zachhuber und Manager René Rydlewicz. Das Gespräch dauerte nur eine halbe Stunde. Zacher sagte: ,Alex, wir brauchen nicht lange rumquatschen. Wir wollen dich unbedingt haben!´ Meine Gehaltsvorstellungen habe ich auf eine Serviette geschrieben“, schmunzelt Walke, der sich schnell in Rostock akklimatisierte. „Nie vergessen werde ich die Saisoneröffnung vor 17.000 Zuschauern. Das war einmalig.“

„Seine Rückkehr wäre ein Traum!“

Das Geschehen des derzeit abstiegsgefährdeten Drittligisten verfolgt er noch heute. Auch dank des stetigen Austausches mit einem seiner größten Fans. „Hansa ist immer Thema bei uns!“ Eine Rückkehr zu den Hanseaten scheint allerdings ausgeschlossen. „Wir fühlen uns in Salzburg sehr wohl und wollen hier bleiben.“ Walkes Vertrag bei den Salzburgern läuft bis 2017. Für Mario Turloff kein Problem. „Seine Rückkehr wäre natürlich ein Traum. In erster Linie freue ich mich aber für Alex, dass es ihm familiär so gut geht und er dort erfolgreich ist.“

Vielleicht erfüllt sich in ferner Zukunft bald ein anderer Traum für Mario Turloff. Anfang des Jahres wurde der Trikotsammler zum fünften Mal Vater. Der Name seines Sohnes: Levi Alexander Turloff. „Benannt nach dem Welttorhüter des Jahrhunderts Lev Yaschin und - Alexander Walke.“

1 Kommentar

  1. Anonymous

    Guter Bericht!

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