„Die Nordkurve ist ein Trikotmuseum!“

Fünf Spiele, ein Punkt. So lautet die magere Bilanz von Hannover 96 nach der 0:2-Niederlage beim FC Augsburg. Kein Wunder also, dass beim NP-Talk „Anstoß“ in der hannoverschen Sportsbar „Nordkurve“ das Thema Abstiegskampf heiß diskutiert wird. Erst recht vor dem so wichtigen Duell gegen den VfB Stuttgart, einem direkten Konkurrenten. Mit dabei in der etablierten Talk-Runde um Moderator Christoph Dannowski ist wie immer 96-Legende Dieter Schatzschneider, dazu U23-Trainer Michael Krüger sowie der Ex-Stuttgarter Maurizio Gaudino. Ihren Aussagen hören die rund einhundert Gäste in der prall gefüllten Kultbar zu. Unter ihnen ist auch Rainer Knorr. Sein Markenzeichen ist die Kappe, sein Hobby ist das Sammeln von Trikots.

„Ich bin kein fanatischer Trikotsammler!“

„Inzwischen müssten es dreihundert oder vierhundert sein. So ganz genau weiß ich das nicht“, betont „Knorri“, wie sie ihn in Hannover rufen. „Ich bin kein fanatischer Trikotsammler, der den Spielern auflauert oder so.“ Das Gegenteil ist der Fall. Sie kommen auf ihn zu. „Für ein Trikot habe ich noch nie Geld bezahlt!“ Es hat seine Gründe. Den 50jährigen kennt nicht nur die halbe Stadt, sondern auch nahezu jeder, der irgendwann mal bei 96 spielte. „Hat sich mit den Jahren einfach so entwickelt.“ Ob André Breitenreiter, Jiri Stajner, Lars Stindl oder Altin Lala – die Bekanntenliste ist riesig. Stefan Mertesacker, den Vater von Per, „kenne ich schon sehr lange“. Der langjährigen Freundschaft ist es auch geschuldet, dass der Marketingfachmann die Per Mertesacker Stiftung tatkräftig unterstützt. Sei es die Organisation von Benefizspielen oder die Versteigerung von Trikots, deren Erlös dann in die Stiftung fließt. „Für das Original-Trikot vom WM-Halbfinale gegen Brasilien haben wir über 11.000 € für die Stiftung erhalten.“

„Die Entwicklung der Nordkurve ist schon Wahnsinn!“

Aber es ist nicht die einzige Tätigkeit, der „Knorri“ nachgeht. Überdies verantwortet er das Marketing und die Kommunikation der „Nordkurve“. „Seit der ersten Stunde bin ich dabei!“ Das war 2008. Heute ist die Sportsbar, in der im Innenbereich bis zu 200 Gäste Platz finden, ein Muss für jeden Stadionbesucher. Sie liegt in der Einflugschneise zur HDI-Arena direkt gegenüber dem Haupteingang Nord. „Besonders wenn die Hamburger, Schalker oder Dortmunder spielen, ist hier Stunden vor dem Anpfiff alles gerammelt voll. Da übervölkern auch schon mal 300-400 Auswärtsfans den Biergarten. Die Entwicklung ist schon Wahnsinn. Die Nordkurve hat ihren ganz eigenen Charme, weil sie keine Kneipe im herkömmlichen Sinne ist. Ich spreche auch gerne von einem Trikotmuseum!“ Davon überzeugten sich bereits die Sky-Moderatoren Ulli Potofski und Esther Sedlaczek im Rahmen ihrer Bundesligavorschau „Mein Stadion“. Ebenso die zahlreichen „Anstoß“- Gäste, zu denen unter anderem Weltmeister Paul Breitner, Torwartlegende Uli Stein oder etwa Otto Rehhagel zählten. „Rüdiger Vollborn hat sich hier sehr lange umgesehen. Bei den Torwarthandschuhen blieb er natürlich stehen!“ Genauer unter die Lupe nahm der ehemalige Torhüter von Bayer Leverkusen die Arbeitsgeräte von Manuel Neuer, Uwe Gospodarek, Robert Enke und Robert Zieler.

Nur das Sevilla-Trikot ging abhanden

Die Hauptattraktion der Sportsbar aber sind die Trikots. In jeder freien Ecke der Bar hängen sie. „Das von Jörg Sievers aus dem DFB-Pokalfinale von 1992 bedeutet mir natürlich viel!“ Hinzu kommen Jerseys von Lars Stindl, Szabolsz Huszti, Steven Cherundolo oder Otto Addo. „Alle matchworn! Ein ganz besonderes ist auch das in weiß und himmelblau gehaltene TUI-Trikot.“ Der damalige Trikotsponsor lag Wert darauf, dass das Trikot im gleichen Farbkontext erscheint, wie das TUI-Logo. „Wegen der Fanproteste liefen wir damit aber nie in einem Punktspiel auf!“ Das war 2003 / 2004. Auch das tschechische Nationaltrikot von Jiri Stajner gefällt „Knorri“. „Schau mal wie riesengroß das ist.“ Aus dem Nachlass des verstorbenen HSV-Kultmasseurs Hermann Rieger erbte Knorr unter anderem dessen Trainingsjacke. „Den Großteil haben wir zu Gunsten der Stiftung versteigert!“ Angst davor, dass sich der ein oder andere Besucher ein Trikot angelt, hat er nicht. „Alles hängt in ausreichender Höhe. Nur einmal ist etwas verloren gegangen. Als gerade Maschseefest war!“ Der DJ hatte gerade eine Co2-Kanone Richtung Decke abgefeuert. „Das Sevilla-Trikot aus der Europa League Spielzeit fiel runter und irgendwer hat es dann eingesteckt!“

Das WM-Final-Trikot von Per Mertesacker

Dass eine besondere Beziehung zu der Familie Mertesacker besteht, wird beim Anblick des „Trikotmuseum“ ebenso schnell deutlich. „Von Per habe ich einige Exemplare. Aus seiner Zeit bei den Roten, Werder, Arsenal und aus der Nationalmannschaft. Das Original-WM-Trikot aus dem Finale gegen Argentinien hängt hier allerdings nicht!“ Zum Termin hat es „Knorri“ extra mitgebracht.

„Irgendwann muss ich mal aussortieren!“

Natürlich hätte er noch mehr Jerseys aus seiner privaten Sammlung mitbringen können. Doch dafür hätte die gute Seele der Nordkurve vermutlich extra einen Kleinbus mieten müssen. „Irgendwann muss ich daheim mal aussortieren!“ Auf der Suche nach besonderen Trikots im heimischen Museum ist ihm eines in die Hände gefallen, an das er sich gar nicht mehr erinnert. „Dass ich das Trikot von Christoph Dabrowski besitze, wusste ich gar nicht mehr!“ Der ehemalige Spieler der Hannoveraner (2003-2006) ist heute 96-Co-Trainer. Aller Voraussicht nach wird er es auch noch ein bisschen bleiben. Vielleicht war das Remis im Niedersachsenderby beim VfL Wolfsburg (1:1) nach der 1:3-Heimschlappe gegen den VfB Stuttgart der erste Schritt in die richtige Richtung. Und vielleicht diskutieren Schatzschneider & Co. beim „Anstoß“ in Kürze über ganz andere Themen als über den Abstiegskampf. Eines aber ist sicher: „Knorri“ ist dabei.

Im nächsten Bericht geht´s nach Bochum! Danke für Dein Like

Die Trikots der Nordkurve

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