Das königsblaue Trikotmuseum

16 Spiele, 2 Tore. So lautet die sportlich überschaubare Bundesliga-Bilanz des Österreichers Eduard Glieder beim FC Schalke 04. Einen bleibenden Eindruck hinterließ der Kultstürmer dennoch: insbesondere bei Julian Zenglein. Der 25jährige BWL-Student stand 2003 beim Auswärtsspiel in Hamburg im Gäste-Block, als Glieder in der Schlussminute das 2:2 erzielte. Warum der Ausgleichstreffer gleichzeitig auch der Startschuss für seine Trikotsammlung war und ihm mittlerweile aktuelle und ehemalige Bundesligakicker auf Instagram folgen, verrät der gebürtige Bamberger bei vergissmeintrikot.net.

„Edi Glieder´s Ausgleichstreffer war Gold wert!“

57 Minuten waren gespielt, als Ebbe Sand am 13. Mai 2000 im Dortmunder Westfalenstadion das 1:0 erzielte. Es war der insgesamt 15. Treffer des vor der Saison von Bröndby Kopenhagen zum FC Schalke 04 gewechselte Dänen. „Er war mein Lieblingsspieler“, erinnert sich Julian Zenglein. Der damals Neunjährige sympathisierte bereits mit den Knappen. „Doch Ebbe Sand“, so der heutige BWL-Student mit Schwerpunkt Marketing, „hat meine Zuneigung für Schalke nochmal verstärkt!“ Das ist gewiss nicht selbstverständlich: Schalke landete am Ende der Spielzeit 1999/2000 auf einem enttäuschenden 13. Tabellenrang, außerdem spielte mit dem 1. FC Nürnberg ein ambitionierter Zweitligist direkt vor der Tür. Doch der gebürtige Bamberger entschied sich für Blau-Weiß. „Einen konkreten Auslöser gab es nicht, es war einfach so!“ Fortan nutzte er jede Gelegenheit, um zusammen mit der Familie die Mannschaft von Trainer Huub Stevens live zu sehen. Ob in der brandneuen Veltins-Arena, „beim Auswärtsspiel in Nürnberg“ (Zenglein) oder während eines Trainingslagers im nahegelegenen Herzogenaurach. Die historische „Vier-Minuten-Meisterschaft“ im Jahre 2001 verfolgte er im Radio. „Zusammen mit ein paar Kumpels spielten wir gerade Fußball auf einem Hof. So richtig realisiert habe ich das damals nicht. Zum Glück war ich noch zu jung!“

Zwei Jahre später sah das schon anders aus. „Ich erinnere mich an ein Auswärtsspiel beim Hamburger SV im Jahr 2003.“ Die Hamburger führten nach zwei Toren vom Argentinier Bernardo Romeo bereits mit 2:0. Doch Schalke kam zurück. Zunächst verkürzte Anibal Matellan auf 1:2 (73.), dann erzielte der vor der Spielzeit vom SV Pasching zu Schalke gewechselte „Ösi-Bomber“ Eduard Glieder in der 90. Minute noch das 2:2. „Edi Glieder´s Ausgleichstreffer war Gold wert für mich! Ein Mitarbeiter der Schalker Geschäftsstelle wollte gerade den Gäste-Block verlassen, als der Ausgleich fiel. Danach kam er die Treppe wieder runter und jubelte mit uns.“ Der Startschuss für seine Trikotsammlung. Denn: „Man blieb in Kontakt!“ Und genau dieser Kontakt verhalf Zenglein 2004 zu seinem ersten Matchworn-Trikot. „Von Simon Cziommer!“

„So schlecht wird es mir hoffentlich nie gehen!“

Dass sich ein Original- vom Fanshop-Trikot unterscheidet, davon konnte sich Zenglein spätestens jetzt einen genauen Eindruck verschaffen. „Bei den Spieler-Trikots waren die Adidas-Streifen dünn gummiert und am Ärmelende abgerundet, beim Fanshop-Trikot waren die Adidas-Streifen gestickt und mit einem eckigen Abschluss.“ Zwei Jahre später besaß der begeisterte Sammler bereits vier weitere Jerseys. "Ab 2006 ging es dann so richtig los!“

Zenglein intensivierte seine Bemühungen. Er vernetzte sich innerhalb der Sammler-Szene, lernte viele Gleichgesinnte kennen. „Ich war damals schon sehr überrascht über die Ausmaße, es gab erstaunlich viele Sammler.“ Doch nicht alle blieben am Ball. „Es ist ein zeitaufwendiges Hobby!“ Beirren ließ sich der 25jährige davon indes nicht. Inzwischen besitzt er 225 Original-Trikots. Und es sind echte Highlights dabei. Etwa das Jersey von Jörg Böhme aus dem DFB-Pokalfinale 2002. Der Linksfuß sorgte am 11. Mai für den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1. Schalke gewann am Ende gegen Bayer Leverkusen mit 4:2. Sogar die Siegermedaille ergatterte Zenglein.

Sein persönliches Highlight ist das Trikot von Jefferson Farfan aus dem Champions League Achtelfinalspiel gegen den FC Valencia. Kein Wunder, der Peruaner sorgte nach dem 0:1-Rückstand durch den Ex-Wolfsburger Ricardo Costa zunächst für den 1:1-Ausgleich, bereitete dann das 2:1 durch Gavranovic vor und erzielte in der 90. Minute auch noch das 3:1. Die Titelzeile des Kickers am 9. März 2011 lautete: „Farfan leitet die Wende ein und vollendet! An seinen größten Trikotcoup erinnert sich Zenglein noch gut. „Nach dem Spiel signalisierte ich Farfan meinen Trikotwunsch. Er nickte, lief noch eine Runde aus und warf es mir dann zu. Das war schöner als Weihnachten!“

Über die Christoph Metzelder Stiftung erstand Zenglein überdies das Jersey von der spanischen Legende Raul aus seinem Abschiedsspiel. „Dieses Trikot wollte mir schon jemand für ein vielfaches meines bezahlten Preises abkaufen." Doch der Schalke-Fan wiegelte ab. „Dieses Erinnerungsstück bedeutet mir einfach zu viel. Man hätte nie geglaubt, mal so einen Weltstar im S04-Trikot zu sehen. Dass sich dieser dann auch noch neben dem Platz so bescheiden gibt, starke Leistungen zeigt und viele Tore für Schalke erzielt, gibt dem Fußballmärchen sein I-Tüpfelchen. Ich glaube einen Spieler seines Formats wird man so schnell auf Schalke nicht noch einmal sehen. Es wird mir hoffentlich nie so schlecht gehen, dass ich ein solch besonderes Trikot aus Not verkaufen muss!“

Asamoah, Marica und Santana zählen bereits zu den Followern

Denn: Das Sammeln von Trikots ist „meine Leidenschaft“. Personen, die ausschließlich damit handeln und andere Leute über den Tisch ziehen, "regen mich auf". Seit Juli 2015 teilt er diese Leidenschaft mit knapp 1500 Fans auf seiner Facebook-Seite „Das königsblaue Trikotmuseum“. Er postet legendäre Trikots und beschreibt die Geschichte dazu. Auch über seinen Instagram-Account „MWS04MUSEUM“ informiert der 25jährige über die neuesten Trikoterrungenschaften. Zu seinen Followern zählen mit Gerald Asamoah, Ciprian Marica und Felipe Santana bereits einige Bundesligagrößen. „Das freut mich besonders“, betont Zenglein, dessen Sammlergebiet sich auf alle gespielten Schalker Trikotversionen ab der Saison 96 / 97 erstreckt. „Seit dieser Spielzeit unterscheiden sich die Original- von den Fan-Trikots“, begründet er. Aber: "Noch gibt es Lücken in meiner Sammlung!“ Sie zu schließen und dazu die neuesten Trikotversionen zu ergattern, setzt er sich in der Zukunft zum Ziel. Austausch betreibt der Trikotsammler in verschiedenen Trikotbörsen. Sogar ein paar Dortmund-Anhänger unterstützen dabei. „Im Vordergrund steht ja das Trikot. Sportlich wünsche ich mir natürlich, dass die Schwarz-Gelben am Ende der Saison hinter uns landen. In dieser Spielzeit wird das wahrscheinlich nichts.“

Das Revierderby zwischen dem BVB und Schalke im Jahr 2000 endete unentschieden. Alfred Nijhuis erzielte in der Schlussphase noch das 1:1 für die Dortmunder, die am Ende zwei Plätze vor der Stevens-Elf rangierten. In der darauffolgenden Saison wurde Schalke Vizemeister und gewann den DFB-Pokal.

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