„Das Trikot ist ein fashion statement!“

Ob nationale oder internationale Fußballligen, Nationalmannschaften hierzulande oder am anderen Ende der Welt, bei Subside Sports in Berlin stoßen Fußballfans auf ein riesiges Sortiment an Fußball-Trikots und weiteren Fanartikeln. Im Interview mit vergissmeintrikot.net spricht Geschäftsführer Jerry Smith über Trends, die gestiegene Bedeutung des Trikots als Modeprodukt und die Europameisterschaft 2016.

Herr Smith, nur noch wenige Wochen, dann startet die EM in Frankreich. Subside Sports bietet ein riesiges Repertoire an Fußball-Trikots, darunter sämtliche EM-Jerseys. Welches Trikot ist denn aktueller Absatz-Europameister?

Rein mengenmäßig das Trikot der DFB-Elf. Wie immer. Auffällig ist die Entwicklung bei Albanien und Island. Diese Trikots zählen zu unseren EM-Überraschungen.

Die Neulinge der Europameisterschaft.

Genau, das ist auch einer der Gründe. Einerseits, weil beide Teams erstmals überhaupt an einer EM teilnehmen. Die albanischen Fans sind sehr stolz darauf, was sich beispielsweise im Absatz in London, Berlin und der Schweiz widerspiegelt. Also dort, wo viele Bürger mit albanischen Wurzeln leben. Andererseits spielt das Design eine wichtige Rolle. Bei beiden Teams ist es sehr stark, was – wie im Falle von Island – auch neutrale Fans anziehen kann.

Stichwort Design: Das Away-Jersey der DFB-Elf erntete viel Kritik von den Fans.

Für viele Fans ist es zunächst ungewohnt. Es gibt allerdings genügend Beispiele für Trikots, die im Verlauf eines Turniers immer beliebter wurden. Gewinnt Deutschland in diesem Trikot im Halbfinale gegen Italien mit 5:0, kann sich das Blatt auch schnell wieder wenden.

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Inwieweit hat sich das Trikot in den zurückliegenden Jahren zum Modeprodukt entwickelt?

Der Begriff Mode ist breit gefächert. Ja, es ist ein Modeprodukt in dem Sinne, dass man es außerhalb des Stadions trägt. Etwa in Sportsbars, in der Stadt oder auf dem Trainingsplatz. Ein interessanter Trend ist auch, dass für viele jüngere Fans, egal ob Engländer, Schweden oder Deutsche, das Trikot zum Sommerurlaub inzwischen dazugehört. Am Strand von Mallorca ist es ein fast schon ein Must-have. Hier spielt vor allem der soziale Aspekt eine gewichtige Rolle. Ich sehe das Trikot als ein ,fashion statement´. Es geht um die Absicht, seinen Stolz und die Identität auszudrücken.

Ein Aspekt, der zum Beispiel auch bei den von COPA entwickelten Trikots von Tibet greift?

Absolut. Hinzu kommt der politische background, Die tibetanische Fußballauswahl ist kein Mitglied der FIFA und daher nicht berechtigt, an offiziellen Turnieren teilzunehmen. Auch das Shirt vom palästinensischen Spieler Mahmoud Sarsak, der nach Jahren in israelischer Haft 2012 wieder freigelassen wurde, ist in diesem Kontext zu nennen. Ein weiteres Beispiel ist das Sondertrikot vom brasilianischen Club EC Madureira. Che Guevara schaute sich Ende der 50er ein Spiel des Vereins im Stadion an und lud die Mannschaft 1963 nach Kuba ein. 50 Jahre später entwarf der Club anlässlich dieses Besuches das Sondertrikot. Es gibt etliche weitere Beispiele.

Ein Schwerpunkt von Subside Sports sind Retro-Trikots. Was fasziniert den Kunden so sehr daran?

Ein Trikot ist wie ein guter Wein: je älter, desto besser. Besonders bei Fußball-Nostalgikern sind Retro-Trikots sehr beliebt. Ein Trend, der erst in den zurückliegenden Jahren aufkam. In den 80ern und 90er waren ältere Trikots kaum ein Thema. Heute behalten Fußball-Fans ihre Shirts teils über viele Jahre auf. Sie wissen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt noch wertvoll werden kann.

Wer zählt neben Fußball-Nostalgikern zur Zielgruppe von Subside Sports?

In erster Linie natürlich alle Fußballfans. Ob jung oder alt. Spürbar ist auch ein Zuwachs der weiblichen Fans.

Ob EM-, Tibet- oder Retro-Trikots - die Angebotsvielfalt ist enorm. Wo sieht sich Subside Sports aktuell im Vergleich zum Markt?

Unser Produktsortiment haben wir mit den Jahren ständig weiterentwickelt. Trainingsjacken, Caps, Schals, Schlüsselanhänger, Trainingsbekleidung oder Fußballschuhe – wir sind breit aufgestellt und führen die gängigen brands wie Adidas, Nike, Puma, Under Amour, Umbro, New Balance, Diadora oder Lotto. Der Fokus wird allerdings auch in der Zukunft auf dem Trikot liegen. Unser Ziel als Spezialist auf diesem Gebiet ist es, die komplette Bandbreite anzubieten. Ob das Jersey vom FC Bayern München oder von Universidad de Chilé. Hier verfügen wir über jahrelange Expertise, die eine ganz wichtige Rolle spielt und beim Kunden vor allem eines fördert: das Vertrauen. Wenn jemand 80€ oder 90€ für ein Trikot ausgibt, es zusätzlich noch beflocken lassen möchte, dann erwartet er eine professionelle Lösung. Das gilt ebenso für die Beratung, telefonisch oder persönlich.

Der Kundenservice von Subside Sports schneidet in Bewertungsforen außerordentlich gut ab. Worauf legen Sie besonderen Wert?

In erster Linie zählt, dass wir unseren Kunden bei Rückfragen beispielsweise zum Produkt, zur Bestellung oder auch zur Beflockung schnellstmöglich helfen können. Darüber hinaus ist uns die Kundennähe sehr wichtig. In unserem Shop in Berlin fachsimpeln unsere Mitarbeiter beispielsweise mit den Kunden vor Ort über Fußball. Diese Nähe ist uns wichtig.

Ist in Zukunft noch ein weiterer Store in Deutschland geplant?

Zur Zeit nicht. Unsere Produkte verkaufen wir zu 90 % online. An einen weiteren Standort in Deutschland denken wir momentan nicht.

Von welchem Standort aus werden die Bestellungen geliefert?

Unser Lager in Berlin führt die Bestseller-Produkte. Sollte der Artikel nicht mehr vorrätig sein, greift unsere Software automatisch auf das Zentrallager in England zurück. Wenn ein Artikel aus England geliefert wird, dauert es in der Regel vier bis fünf Tage, ehe er beim Kunden ankommt. In Ausnahmesituationen wie beispielsweise unmittelbar nach WM-Finale 2014 kann es natürlich auch mal länger dauern. Die Nachfrage nach den DFB-Trikots, dazu mit individuellen Beflockungen, war enorm.

Wie sieht die E-Commerce Strategie von Subside Sport in den kommenden Jahren aus?

Wir sind 1997 als einer der ersten Fußball-Merchandising-Online-Shops live gegangen. Seitdem haben wir unseren Shop fünfmal einem Update unterzogen. Vor einem halben Jahr passten wir das responsive Design an. Ein Artikel kann nun direkt über das Smartphone bestellt werden. Unsere Philosophie ist, eine ausgewogene Mischung zwischen ordentlicher E-Commerce-Strategie und einem interessanten und breiten Sortiment an Trikots anzubieten. Eine Fokussierung auf die Bestseller-Produkte wird es bei uns nicht geben. Fußball ist ein globaler Sport, das gilt es auch in Form des Trikotsortimentes abzubilden. Das aktuelle Abschneiden von Leicester City in der Premier League bestätigt diese Philosophie. Eine schöne Geschichte.

Abschließend die Frage zu Ihrem EM-Tipp: Wird es eine vergleichbare Überraschung wie mit Leicester auch bei der Euro geben?

Ich tippe auf Deutschland. In den Freundschaftsspielen spielen sie wie immer nicht so gut, aber pünktlich zum Turnier sind sie da. Belgien zählt ebenfalls zu meinen Favoriten. In England herrscht aufgrund des Abschneidens der zurückliegenden Jahre Hoffnungslosigkeit. Es fehlt ein bisschen das Selbstvertrauen. Ich glaube nicht, dass Roy Hodgson als Coach die beste Lösung ist. Das Team braucht jemanden, der Emotionen vermittelt. Für mich wäre Jürgen Klopp der richtige Mann!

Herr Smith, vielen Dank für das Interview!

Zur Person:

Jerry Smith ist selbst begeisterter Fußball-Anhänger des Premier-League-Clubs Arsenal London. „1979 besuchte ich als 15-Jähriger das Finale des FA-Cups zwischen Arsenal London und Manchester United im mit 100.000 Zuschauern ausverkauften Wembley Stadium. Arsenal führte schon mit 2:0, doch Manu rettete sich nach zwei Toren noch in die Verlängerung, die Arsenal schließlich mit 3:2 für sich entschied!“ Dieses Spiel war gleichzeitig auch die Initialzündung für seine eigene Trikotsammlung. „Es gab ein Arsenal-Sondertrikot, das ich über viele Jahre besaß!“ Und es blieb nicht das Einzige: „80 oder 90 Trikots kamen später von Arsenal und England hinzu!“ Allerdings: „Nach einem Wohnungsbrand blieb von der Sammlung nichts mehr übrig." Und dennoch: Trikots zählen bis heute zu seinem Fachgebiet.

Anfang der 90er sammelte Smith in Japan, wo er nach seinem Studium zwischenzeitlich auch als Englisch-Lehrer arbeitete, wertvolle Erfahrungen beim Aufbau der J-League und vernetzte sich mit den großen brands wie Adidas und Nike. 1997 gründete er Subside Sports UK und entwickelte den Store zum absoluten Spezialisten im Bereich Trikots. Neben England ist Subside Sports inzwischen in USA, Holland, Spanien, Australien und Schweiz vertreten. Die Subside Sports Deutschland GmbH wurde 2003 in Berlin gegründet. Jerry Smith ist Geschäftsführer.

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