HSV, VfB, olé olé …

Wenn ein Trikot vor dem Bundesligastart bereits öfter verkauft wurde, als das Jersey der kompletten vorherigen Spielzeit, dann ist das nicht nur ein Indiz für gelungenes Marketing, sondern meist auch für Aufbruchsstimmung. Genau das trifft beim VfB Stuttgart zu, wenngleich es am vergangenen Spieltag gegen den 1. FC Köln (1:3) einen Dämpfer zum Auftakt gab. „Es wird weniger geschwätzt beim VfB, das gefällt den Leuten“, meint Stuttgart-Fan und Trikotsammler Matthias Vafai im Interview.

Das neue Home Trikot des VfB Stuttgart

Das neue Home-Trikot (weiß) mit durchgehendem Brustring

Das neue Home-Trikot (weiß) mit durchgehendem Brustring

Ein Brustring zierte das Trikot des VfB Stuttgart schon immer. In diesem Jahr allerdings ließen sich die Designer etwas Neues einfallen. Oder besser gesagt etwas Traditionelles. Der Brustring der neuen Trikotkollektion verläuft durchgehend. Zuletzt gab es das in Stuttgart im Jahre 1973. Es soll das Highlight der diesjährigen Kollektion sein. Auf der Homepage des VfB heißt es: „Der Brustring der Leidenschaft: 1923 entstanden aus Liebe zum Fußball. Als Zeichen großer Verbundenheit. Bis 1973 durchgängig gespielt. Über 40 Jahre hat es gedauert und jetzt ist er zurück!“

Im Nackenbereich findet man die drei Gründungswappen sowie die Farben weiß und rot, außerdem den Schriftzug Tradition und Leidenschaft, der für die Werte des VfB steht. Zudem verläuft unterhalb des Kragens ein weiß-rotes Nackenband, wo das Gründungsjahr 1893 eingestickt wurde.

Perfekte Kampagne macht den Unterschied

Offensichtlich schlug das neue Design ein bei den VfB-Fans. Doch reichte das allein, um mit der neuen Trikotkollektion schon vor dem Bundesligastart mehr Absatz zu generieren, als in der gesamten letzten Spielzeit? Um diese Frage zu beantworten, hilft ein Vergleich mit dem Bundesliga-Dino Hamburger SV.

Im Interview mit der Welt betonte Jürgen Rank, Chefdesigner bei Adidas: „In diesem Jahr ist die Sehnsucht der HSV-Fans nach etwas Neuem ganz besonders groß. Sie wollen das Gefühl der ständigen Pleiten, des Fast-Abstiegs, aus der Erinnerung löschen, irgendwie abstreifen. Mit nichts geht das so leicht wie mit einem Trikot.“

Vergleichbare Meldungen zum Trikotabsatz wie die aus Stuttgart gab es aus Hamburg indes nicht. Und das obwohl sich die Ausgangsvoraussetzungen beider Vereine ähnelten.

Beide spielten lange gegen den Abstieg. Beide verpflichteten einen neuen Trainer, wenngleich Bruno Labbadia beim HSV schon kurz vor dem Saisonende übernahm. Beide Trikots liegen vom Design her nicht weit auseinander, zumindest bewertete das eine Jury von Modedesignstudierenden der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf (siehe auch www.trikotmeister.de ).

Dennis D.

Die Präsentation des neuen HSV-Trikots

Komplett unterschiedlich verlief hingegen die Präsentation des neuen Trikots. Während HSV-Spieler Dennis Diekmeier auf einem türkischen Basar während seines Urlaubes das in die Hände von Fälscherbanden geratene HSV-Trikot entdeckte, sich damit ablichten ließ und die Präsentation durch ein gepostetes Bild bei Instagram in Eigenregie übernahm, inszenierte der VfB Stuttgart eine nahezu perfekte Kampagne.

Die Trailer

„Wir brauchen dich. Kannst du kommen?“ So mobilisiert der VfB seine Fans in seinem Imagevideo. Neben VfB-Ikone Günther Schäfer ist auch Sportvorstand Robin Dutt zu sehen, der zum Ende die neuen Trikots verteilt. Musikalisch begleiten die „Fantastischen Vier“ mit ihrem 2014 extra für den VfB umgeschriebenen Song „Troy“. Die vierköpfige Band stammt ursprünglich aus der Hip Hop – Hochburg Stuttgart und machte nie einen Hehl aus der Sympathie für den VfB.

Im weiteren Charthit „Mit freundlichen Grüßen“ der Fantas heißt es übrigens: „HSV, VfB, olé, olé!“ (siehe Video am Ende). Vielleicht gelingt den Hamburgern ja im kommenden Spieljahr auch ein Verkaufsschlager mit dem neuen Trikot, sie müssen sich nur an den VfB halten.

Matthias Vafai: „Beim VfB wird einfach weniger geschwätzt!“

Über das neue Trikot und die neue Euphorie in Stuttgart sprach ich mit Matthias Vafai, einem begeisterten Fan und Trikotsammler aus Stuttgart, der sowohl auf seiner Webseite www.vfbtrikot.de, als auch bei Facebook vertreten ist.

Matthias, allein zum Trainingsauftakt des VfB kamen rund 3800 Fans. Das neue Trikot verkaufte sich bis zum Start am vergangenen Sonntag schon jetzt häufiger als das in der gesamten zurückliegenden Spielzeit. Was ist eigentlich los in und um Stuttgart? Das ist einfach zu erklären, der Verein hat sich und das Trikot in den vergangenen Wochen sehr gut vermarktet.

Was genau meinst Du? Im Vergleich zu den Vorjahren wird weniger geschwätzt beim VfB. Man hat das Gefühl, hier passiert etwas. Mit Alexander Zorniger wurde ein sympathischer und realistisch zu Werke gehender Trainer verpflichtet. Robin Dutt scheint seinen Job im Moment auch gar nicht mal so schlecht zu machen. Zudem wurden einige Spieleraltlasten wie etwa Abdellaoue, Konstantin Rausch oder Karim Haggui verkauft. Die Mannschaft hat ein anderes Gesicht und verfügt mit Maxim, Didavi oder Kostic über eine starke Offensive.

Erklärt das auch den Hype um das neue Trikot? Einerseits ja. Andererseits ist es auch gelungen, die nötige Spannung vor der Trikotveröffentlichung aufzubauen. Noch im letzten Jahr kursierten Bilder vom neuen Trikot im Netz, bevor der Verein sie veröffentlichte. Das war bestimmt nicht förderlich für den „Wow“-Effekt.

Was genau in diesem Jahr war denn anders? Es gab vor allem die Trailer, mit denen der Verein das Interesse bei den Fans weckte. Der Satz „Wir brauchen Dich, kommst Du vorbei?“ landete zudem per SMS in den Handys vieler VfB-Fans. Das war schon gut gemacht! Nicht zu vergessen der Song „Troy“ von den Fantastischen Vier. Ich selbst erlebte die Fantas Anfang der 90er noch vor ein paar hundert Fans in Stuttgart. Schon damals machten sie keinen Hehl aus der Verbundenheit mit dem VfB. Sie gehören dazu.

SMS vom VfB anlässlich der Trikotpräsentation

SMS vom VfB anlässlich der Trikotpräsentation

Auf Deiner Internetseite habe ich das neue Home-Trikot noch nicht gefunden. Hattest Du noch keine Zeit, es einzustellen? Da ich nur „matchworn“-Trikots sammle, hat sich die Gelegenheit vor Saisonbeginn noch nicht wirklich ergeben.

Wie fällt Dein Urteil aus, gefällt es Dir? Sehr! Besonders der traditionelle Gedanke spiegelt sich im Trikot wider, was ich sehr gut finde. Einziges Manko ist für mich die Rückennummer, denn die habe ich im Stadion beim Spiel gegen den 1. FC Köln nicht gut erkennen können. Im Fernsehen wiederum war das kein Problem.

Abschließend noch eine Frage zu den weiteren Auswärtstrikots, wie gefallen Dir diese Jerseys? Das rote Auswärtstrikot ist meine Nummer 2, das schwarz-gelbe, welches besonders an die Stadt Stuttgart erinnern soll, ist meine Nummer 3.

Eine ausführliche Geschichte zur Sammlung von Matthias Vafai auf www.vfbtrikot.de , seiner Leidenschaft zum VfB und den Erlebnissen aus mehr als 20 Jahren Fanzugehörigkeit erfahrt Ihr Anfang September bei www.vergissmeintrikot.net.

 

MfG – Fanta Vier – ab 2:05 – HSV, VfB, olé olé

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