„Fan von Eintracht Braunschweig zu sein, war uncool!“

Dreiundachtzig Minuten waren gespielt, als dem eingewechselten Thorsten Wörsdorfer nicht nur sein erster Treffer in der 2. Bundesliga gelang, sondern auch der entscheidende. Das Duell zwischen Eintracht Braunschweig und dem FC Schalke 04 endete 0:1. Mit dabei am 23. Februar 1991 war Henning Gerecke. Und trotz der Heimniederlage war es für den damals 6jährigen Knirps der Beginn einer tiefen und bis heute andauernden Liebe zur Braunschweiger Eintracht, der er mit seiner Trikotsammlung Ausdruck verleiht.

VfL Herzlake, Atlas Delmenhorst oder die Sportfreunde Ricklingen – so hießen die Gegner der Braunschweiger Eintracht in der Regionalliga Nord, als deutsche Teams wie Borussia Dortmund (Champions League) oder Schalke 04 (UEFA-Cup) im Jahre 1997 den europäischen Fußballgipfel erklommen. Gewiss keine einfache Zeit für einen heranwachsenden Lokalpatrioten aus Braunschweig. „In dieser Zeit Eintracht-Fan zu sein, war einfach uncool“, erinnert sich Henning Gerecke. „Die Jahre in der Regionalliga von 1993 bis 2002 waren neun Jahre Leidenszeit!“ Und dennoch, der heute 31jährige blieb seinem Verein treu. Seit ihn sein Vater erstmals mit ins Stadion an der Hamburger Straße gegen den FC Schalke 04 mitnahm, verpasste er nach eigenen Angaben bis heute nur fünf Heimspiele.

Über 200 Eintracht-Trikots

Und er sammelte Trikots. Über 200 seien inzwischen in seinem Besitz. Erst gestern nach dem Auswärtsspiel beim Halleschen FC schlug er wieder zu und ergatterte das Jersey vom Schweizer U21-Nationalspieler Salim Khelifi.

Henning Gerecke nach dem Sieg in der 1. Runde des DFB-Pokals beim Halleschen FC mit seiner neuesten Errungenschaft - dem Trikot von Salim Khelifi

Henning Gerecke nach dem gestrigen Pokalspiel beim Halleschen FC mit seiner neuesten Errungenschaft – dem Trikot von Salim Khelifi

„Ich habe vorher angefragt. Inzwischen ist meine Trikotsammlung auch nicht mehr unbekannt. Einige wissen, dass es diesen Sammler aus Braunschweig gibt.“ So wie in Halle laufen die Trikot-Übergaben häufig ab. Für die gestiegene Bekanntheit des Trikotsammlers gibt es zwei Gründe. Die Braunschweiger Zeitung veröffentlichte vor rund einem Jahr einen Artikel über die Sammlung. „Danach kontaktierten mich beispielsweise drei ältere Herren, um ihre im Schrank rumliegenden Trikots loszuwerden.“ Außerdem sorgt der 31jährige mit seinem Webauftritt und seiner Facebook-Seite selbst für entsprechende Bekanntheit. Knapp 800 Fans liken seinen Facebook-Auftritt inzwischen, hierfür gibt es Bilder von den neuesten Trikot-Errungenschaften.

„Ein persönlicher Bezug zum Trikot ist mir sehr wichtig!“

Dabei lichtet Gerecke nicht einfach ein gerade im Fanshop gekauftes Trikot ab und stellt es online. „Mir ist ein persönlicher Bezug zum Trikot sehr wichtig!“ So sieht man häufig Jerseys von einzelnen Spielern, die er vorher kontaktiert. Vom Moment der Trikotübergabe veröffentlichte der Braunschweig-Fan etwa ein Bild mit dem heutigen Fürther Marco Caligiuri oder dem deutschen Nationalspieler Karim Bellarabi.

Karim Bellarabi bei der Ttrikotübergabe

Mit Karim Bellarabi bei der Trikotübergabe

Man könnte annehmen, es sei einfaches Hobby. Doch im Gegenteil. „Es wird schwieriger!“ Grund hierfür sind zum Beispiel die vielen Variationen eines Trikots im Laufe einer Spielzeit. „Bei Charity-Aktion wie etwa dem Anti-Diskriminierungsspieltag in der vergangenen Spielzeit, gibt es immer eine Sonderedition. Diese Trikots zu bekommen, ist nicht einfach“, so Gerecke. Doch das schreckt ihn nicht ab: „Es ist wie eine Sucht!“ Dass der persönliche Bezug zum Trikot angesichts der Fülle des Kleiderschrankes irgendwann verloren geht, verneint er. In Erinnerung bleibt ihm unter anderem ein über Ebay erstandenes Trikot vom ehemaligen Eintracht-Spieler Wolfgang Frank (1974-1977). „Ich befrage den Verkäufer immer zur Geschichte des Trikots. In diesem Fall war der Verkäufer selbst ein Familienmitglied, das nach der schweren Krankheit und dem Tod Franks 2013 abschließen wollte. Das Trikot sollte nicht einfach im Müll landen, sondern einem echten Fan eine Freude bereiten. Und das hat es!“

Generation-Jägermeister

Das Trikot vom inzwischen verstorbenen ehemaligen Eintracht-Spieler Wolfgang Frank

Das Trikot vom inzwischen verstorbenen ehemaligen Eintracht-Spieler Wolfgang Frank

Nicht nur die Geschichte dieses speziellen Trikots ist bewegend, sondern auch der Sponsor dazu. „Die Jägermeister-Trikots sind einfach legendär und mit der Identität der Eintracht tief verwurzelt“, betont Gerecke. Auf seiner Webseite hat er eine eigene Kategorie „Generation Jägermeister“ eingerichtet, über die man die mit dem Hirsch auf der Brust noch einmal begutachten kann. „Zwölf Jahre lang war Jägermeister unser Sponsor!“ Heute wäre das nicht mehr möglich. „Werbung für hochprozentige Getränke oder Tabak-Waren sind verboten.“ Ihn selbst stört das nicht. „In erster Linie zählt für mich, dass der Sponsor den Verein unterstützt.“ Denn eine zweite „Leidenszeit“ in der heutigen 3. Liga, wie von 1993 bis 2002 wünscht sich der Eintracht-Fan nicht.

„Der Aufstieg ist kein Thema!“

Die aktuelle Spielzeit werde nicht einfach. „Spieler wie Dennis Kruppke, Norman Theuerkauf, Deniz Dogan oder Benjamin Kessel haben aufgehört oder den Verein verlassen. Die Mannschaft steht vor einem Umbruch. Zudem gibt es in der zweiten Liga große Konkurrenz. Der Aufstieg ist daher kein Thema!“ Ähnliche Worte verwendeten Trainer Thorsten Lieberknecht und Manager Marc Arnold auch in der Spielzeit 2012 / 2013. Am Ende kehrte die Eintracht nach langjähriger Abstinenz wieder in die Bundesliga zurück. Den entscheidenden Treffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit erzielte Damir Vrancic im Auswärtsspiel gegen Ingolstadt. Natürlich war Henning Gerecke wieder mit dabei. „Der Jubel nach dem Tor war unbeschreiblich. Zu wissen, dass man nach so langer Zeit die Eintracht in der ersten Liga sieht, war purer Stolz!“ Das Spiel endete 1:0, wie beim ersten Stadionbesuch 22 Jahre zuvor, dieses Mal siegte die Eintracht.

Das Video mit dem Tor von Damir Vrancic:

Hier geht´s zur Webseite von Henning Gerecke:

http://www.generationblaugelb.de

Und hier zur Bildergalerie:

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