„Dein Trikot kannste behalten!“

Oliver Bierhoff, Stefan Kuntz, Matthias Herget oder die Brüder Friedhelm und Wolfgang Funkel – die Liste der Nationalspieler, mit denen Darius Scholtysik bei Bayer 05 Uerdingen Ende der 80er und Anfang der 90er zusammenspielte, ist lang. An welche Duelle sich der heute 49-Jährige zurückerinnert und welche Trikots er über all die Jahre bis heute aufbewahrt hat, darüber sprach er mit vergissmeintrikot.net.

Ob das legendäre 6:6 im DFB-Pokalhalbfinale zwischen dem FC Schalke 04 und dem FC Bayern oder der verschossene Elfmeter von Werders Michael Kutzop, es gab so einige Spiele in den 80ern, die unvergessen bleiben. Was sich allerdings am 19. März 1986 in der Krefelder Grotenburg-Kampfbahn vor 19.000 Zuschauern abspielte, ist an Dramatik kaum zu überbieten. Im Viertelfinalhinspiel des Europapokals der Pokalsieger verlor der FC Bayer 05 Uerdingen bei Dynamo Dresden mit 0:2. Als die Dresdner zwei Wochen später im Rückspiel zur Pause mit 3:1 führten, schien die Partie frühzeitig entschieden. Einige Zuschauer machten sich bereits auf den Heimweg, als Wolfgang Funkel mit einem verwandelten Strafstoß in der 58. Minute den Startschuss für eine Aufholjagd gab, die am Ende mit 7:3 zu Gunsten der Hausherren endete. „Erwarten Sie nicht, dass ich das, was in der zweiten Halbzeit geschah, fußballerisch erklären kann“, meinte Bayer-Trainer Karl-Heinz Feldkamp nach dem Spiel. Ein Jahr nach dem DFB-Pokalsieg gegen den FC Bayern München (2:1) feierten die Krefelder also ihre größte Stunde auf internationaler Bühne. Es war die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte.

„Rückblickend war das mein wohl bestes Spiel!“

Scholtysik zu seiner aktiven Zeit. Foto: KFC Uerdingen

Scholtysik zu seiner aktiven Zeit. Foto: KFC Uerdingen

Und in dieser (zur Spielzeit 87 / 88) wechselte ein 20jähriger vom damaligen Oberligisten SC Eintracht Hamm zu den Blau-Roten: Darius Scholtysik. Gleich in seiner Premierensaison brachte es der von Borussia Mönchengladbach, dem FC Schalke 04 und dem VfL Bochum umworbene Neuling auf 17 Einsätze. Besonders an den ersten von Beginn an erinnert sich Scholtysik gerne zurück. „Wir spielten beim FC Schalke 04. Meine Aufgabe war es, Olaf Thon auszuschalten. Der war damals eine richtig große Nummer! An das Spiel kann ich mich gut erinnern, ab der 80. Minute hatte ich nur noch Krämpfe.“ Zwar verlor Uerdingen mit 1:2, doch der spätere Weltmeister von 1990, der in dieser Saison mit 14 Treffern seinen persönlichen Torrekord in der Bundesliga aufstellte, ging leer aus. „Nach dem Spiel kam er zu mir und sagte: ,Gute Leistung Junge!´“ Und es kam noch besser für Scholtysik. „Zur damaligen Zeit war es noch nicht so üblich mit dem Trikottausch, trotzdem habe ich ihn gefragt. Und es klappte.“

1.9.1987: FC Schalke 04 - Bayer 05 Uerdingen 2:1

1.9.1987: FC Schalke 04 – Bayer 05 Uerdingen 2:1

Trainer Horst Köppel, der den vor der Saison zu Eintracht Frankfurt gewechselten Karl-Heinz Feldkamp beerbte, schenkte dem Neuzugang Scholtysik dank seiner starken Leistung auch in den folgenden Begegnungen das Vertrauen. „In Erinnerung ist mir auch die Partie gegen Kaiserslautern geblieben. Es war ein Freitagabend, wir gewannen 3:1. Wolfram Wuttke nahm ich dabei komplett aus dem Spiel und setzte dazu noch Akzente in der Offensive. Rückblickend war das mein wohl bestes Spiel!“

Auch unter dem neuen Trainer Rolf Schafstall (Video), der im Dezember 1987 die Nachfolge von Köppel antrat, kam der gelernte KfZ-Mechaniker zunächst auf seine Einsätze. Und das in einer Mannschaft, die mit Wolfgang und Friedhelm Funkel, Matthias Herget, Holger Fach, Atli Edvaldsson, Rudi Bommer, Stefan Kuntz, Reinhold Mathy, Marcel Witeczek oder Oliver Bierhoff mit den aktuellen oder den späteren Stars der Bundesligageschichte gespickt war.

„Dein Trikot kannste behalten!“

Weil die Einsatzzeiten in den Folgejahren jedoch überschaubarer wurden, endete die Zeit bei Bayer nach der Saison 1989 / 1990. Nach mehreren Stationen (siehe weiterführende Informationen) landete er fünf Jahre später später in der Regionalliga West/Südwest bei den Sportfreunden Siegen, wo er bis 2000 spielte. Ein Trikot aus dieser Zeit befindet sich noch heute in seinem Besitz. Außerdem erinnert er sich an die Begegnung mit einem Champions-League-Sieger: „Es gab ein Freundschaftsspiel gegen Bayern München. Mit Thorsten Fink wollte ich nach dem Abpfiff tauschen, er gab mir auch sein Trikot. Als ich ihm meines anbot, sagte er nur: ,Dein Trikot kannste behalten!“

Darius Scholtysik mit seinen aufbewahrten Trikots von den Sportfreunden Siegen und Eintracht Braunschweig

Darius Scholtysik mit seinen aufbewahrten Trikots von den Sportfreunden Siegen und Eintracht Braunschweig

Dass sich die mit Thon und Fink getauschten Trikots heute nicht mehr in seinem Besitz befinden, verwundert nicht. Der sympathische Familienvater verschenkte beide Jerseys an seine besten Freunde. „Das Bayern-Trikot von Torsten Fink war ein Geburtstagsgeschenk. Die Freude darüber riesig!“

Ausbildung zum Fußballlehrer

Ein weiteres Erinnerungsstück an seine aktive Zeit bildet neben dem Siegener auch das Braunschweiger Trikot aus der Spielzeit 2000 / 2001. Beim damaligen Regionalligisten beendete Scholtysik seine Karriere. Dem Fußball blieb er treu. 2005 folgte sein erstes Engagement als Trainer der B-Jugend des BTSV, ehe er 2007 Co-Trainer bei den Wolfsburger Amateuren wurde. Nach einem Jahr wechselte er zurück zur Eintracht und ist seit nunmehr sieben Spielzeiten die rechte Hand von Torsten Lieberknecht. Parallel dazu begann der 49jährige die Ausbildung zum Fußballlehrer. „Die Doppelbelastung ist schon nicht ohne“, betont Scholtysik. Durchbeißen wird er sich dennoch, wie damals im Duell gegen Olaf Thon.


Weiterführende Informationen zu Darius Scholtysik:

Bildergalerie:

An dieser Stelle vielen Dank an Darius für den Blick ins Privatarchiv!


Spielerstationen Darius Scholtysek:

07 / 1987 – 06 / 1990: Bayer 05 Uerdingen

07 / 1990 – 06 / 1991: K Stade Leuven

07 / 1991 – 06 / 1992: SpVgg Oberfranken

07 / 1992 – 06 / 1994: Arminia Bielefeld

07 / 1995 – 06 / 2000: Sportfreunde Siegen

07 / 2000 – 06 / 2001: Eintracht Braunschweig

Trainerstationen:

07 / 2005 – 06 / 2007: Eintracht Braunschweig B-Junioren

07 / 2007 – 06 / 2008: Co-Trainer VfL Wolfsburg II

07 / 2008 – 06 / 2016: Co-Trainer Eintracht Braunschweig


 

 

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