„Mit Karlheinz Pflipsen wollte ich unbedingt tauschen!“

Ob die Duelle mit Lauterns Torwartlegende Gerri Ehrmann, die Europapokalspiele mit dem Karlsruher SC und dem VfL Wolfsburg oder die Ehrung zu einem der besten Torhüter der norwegischen Liga – Claus Reitmaier erlebte binnen seiner mehr als zwanzigjährigen Profikarriere so einige Highlights. Bei vergissmeintrikot.net präsentiert der mittlerweile 51-Jährige seine aufbewahrten Trikots und verrät, auf welchen Durchbruch er noch heute wartet.

Dass er zum Ende seiner Karriere 2005 überhaupt in Norwegen landete, hatte er Jan Age Fjortoft zu verdanken. Der einstige Bundesligaspieler von Eintracht Frankfurt und heutige Sky-Experte machte dem langjährigen und erfahrenen Bundesligatorhüter ein Angebot, das dieser dankend annahm. „So wie es zum Schluss in Erfurt lief, wollte ich nicht aufhören“, erklärt Reitmaier. Also wagte er im Alter von 41 Jahren den Schritt ins Ausland. Bereuen sollte er ihn nie. Denn das einjährige Abenteuer bei Lilleström SK unter dem deutschen Trainer Uwe Rösler endete erfolgreich. Reitmaier wurde zu einem der drei besten Torhüter der norwegischen Liga gekürt. „Allein die Nominierung war wie ein Oscar für mich!“ Gleichzeitig aber auch Balsam für die Seele. Denn im Pokalfinale gegen Molde FK verpasste er die letzte Chance seiner Karriere auf einen Vereinstitel. „Im Finale unterlagen wir nach Verlängerung mit 2:4, das war bitter.“

Der Beginn der Bundesligakarriere bei den Stuttgarter Kickers 1991

15 Jahre zuvor begann die Bundesligakarriere des gebürtigen Würzburgers. Bei den Stuttgarter Kickers verdrängte er Stefan Brasas aus dem Tor. Die Freude über sein Dasein als Stammkeeper in der 1. Bundesliga nach den Stationen bei Viktoria Aschaffenburg (2. Liga, 86-89) und dem Wiener SC (89-91) währte indes nicht lange. Zum Klassenerhalt fehlte am Ende ein Punkt, die Kickers stiegen ab. Während Reitmaier 1992 / 1993 in der um die Ostvereine erweiterten 2. Liga das Tor hütete und insgesamt 46 Spiele absolvierte, grüßte Brasas aus dem Oberhaus. Der einstige Konkurrent wechselte vor der Saison zum Erstligaaufsteiger 1. FC Saarbrücken und bestritt dort 27 Partien. „Für Stefan habe ich mich gefreut, aber natürlich hätte ich auch gerne in der 1. Bundesliga im Tor gestanden!“

„Gerri Ehrmann drehte im Training durch!“

1993 bekam er vom 1. FC Kaiserslautern eine neue Chance. Sportlich verbesserte er sich mit dem Wechsel jedoch nur bedingt. An Lautern-Legende Gerri Ehrmann kam der damals 29jährige nicht vorbei. Wegen des damaligen Trainers Friedel Rausch. Davon ist Reitmaier noch heute überzeugt: „Das war ein abgekatertes Spiel.“ Vor allem das Auftreten Ehrmanns im Training gab ihm zu denken. „Als mir Rausch die Chance gab, drehte Gerri durch. Er trat auf alles, was sich bewegte. In der nächsten Einheit war dann auf einmal wieder Ruhe.“ Als Reitmaier nach einem 7:1-Auswärtssieg beim MSV Duisburg völlig überraschend wieder auf der Bank Platz nehmen musste und Ehrmann am 31. Spieltag ausgerechnet gegen den FC Bayern München wieder im Tor stand, war ihm alles klar. „Der Gerri wusste sicherlich vorher schon, dass er in diesem Spiel wieder eingesetzt wird.“ Kaiserslautern bezwang die Bayern nach den Toren von Pavel Kuka (2), Martin Wagner und Ciriaco Sforza mit 4:0 und wurde Vizemeister. „Ich bat den damaligen Manager Reiner Geye um die vorzeitige Auflösung meines Vertrages. Glücklicherweise war Geye jemand, der zu seinem Wort stand. Er gab mir die Freigabe!“ Reitmaier wechselte zum Karlsruher SC.

„Saublödes“ Gegentor führte zur Finalniederlage im DFB-Pokal

"Er war überragend!" Mit Thomas Häßler spielte Reitmaier beim Karlsruher SC

Reitmaier: „Er war überragend!“

Und hier wurde er zur festen Größe. „Es war eine sehr schöne Zeit, wir hatten eine super Mannschaft!“ Neben dem „überragenden“ 90er Weltmeister Thomas Häßler spielten Michael Tarnat, Thorsten Fink, Michael Wittwer, Sean Dundee oder Sergej Kirjakow beim KSC.Spiele, die ihm aus der Zeit in Erinnerung geblieben sind, gibt es viele. Etwa das 94er DFB-Pokalduell gegen Waldhof Mannheim in der 2. Runde, was der KSC mit 4:3 nach Elfmeterschießen gewann. „Ich hielt drei Elfmeter!“ Auch das Europapokalspiel gegen den AS Rom mit Francesco Totti oder Aldair im Jahr 1996. „Wir siegten 3:0, Thorsten Fink krönte seine starke Leistung mit zwei Toren. Sean Dundee traf ebenfalls.“ Sein persönlicher Höhepunkt aber war das DFB-Pokal-Finale 1996 gegen seinen zu diesem Zeitpunkt bereits aus der 1. Liga abgestiegenen Ex-Verein 1. FC Kaiserslautern. „Wir kassierten ein saublödes Gegentor durch Martin Wagner. Der Ball war noch leicht abgefälscht, damit konnte ich nicht rechnen. Die Niederlage ging aber in Ordnung!“

Röber sagte nur: „Deine Karriere ist zu Ende!“

Zwei Jahre später stieg auch der KSC ab. Reitmaier aber blieb erstklassig. Er wechselte zum VfL Wolfsburg. Dass die Zeit bei den Wölfen seine längste Bundesligastation würde, danach sah es nach den ersten acht sieglosen Spieltagen unter Trainer Wolfgang Wolf in der Saison 1998 / 1999 nicht aus. „Wir sind denkbar schlecht gestartet und waren Letzter. Dann gab es eine kleine Motivationsstütze vom Manager Peter Pander!“ Und diese zeigte ihre Wirkung. „Was danach passierte, war phänomenal. Wir gewannen fünf Spiele in Folge!“ Darunter auch ein denkwürdiges 7:1 gegen Reitmaiers Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach. „Irgendwann tat mir das selber weh!“ Die Torschützen Charles Akonnor (2), Andrzej Juskowiak (2), Roy Präger (2) und Brian O´Neil zeigten indes kein Mitleid. „Am Ende qualifizierten wir uns sogar für den Europapokal!“
Doch so erfolgreich die Zeit für Reitmaier begann, so bitter endete sie auch nach fünf Jahren. Nach der Entlassung von Wolfgang Wolf im März 2003 folgte Jürgen Röber. Zwar bestritt Reitmaier noch sechs Spiele unter dem ehemaligen Trainer von Hertha BSC, doch danach war Schluss. „Er sagte, dass ich unter ihm nie wieder spielen würde und meine Karriere zu Ende sei.“

„Ich wäre zu Fuß nach Gladbach gegangen!“

Und so schien es auch. Immerhin war Reitmaier zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre alt. Nur Christian Hochstätter, der damalige Manager von Borussia Mönchengladbach, dem Herzensverein Reitmaiers, hatte etwas dagegen. „Er rief an und fragte, ob ich mir einen Wechsel zur Borussia noch vorstellen könnte.“ Der Routinier zögerte nicht lange. „Ich wäre da zu Fuß hingegangen!“ Immerhin reichte es für den Vertreter des verletzten Hans-Jörg Stiel noch zu fünf Einsätzen im Oberhaus bei seinem Lieblingsverein. Letztmals hütete er am 27. März 2004 im Alter von 40 Jahren gegen den FC Bayern München das Tor. Ein Traum, der spät in Erfüllung ging.

Im Alter von 40 Jahren bestritt Claus Reitmaier sein letztes Bundesligaspiel für Borussia Mönchengladbach.

Im Alter von 40 Jahren bestritt Claus Reitmaier sein letztes Bundesligaspiel für Borussia Mönchengladbach.

„Die einzige Ausnahme machte ich bei Karlheinz Pflipsen!“

Auf der Jagd nach Trikots war Reitmaier nie. „Interessiert habe ich mich eigentlich nur für Trikots von Spielern, mit denen ich selbst irgendwann mal zusammengespielte.“ Neben den eigenen Torhütertrikots aus seiner Karriere besitzt Reitmaier daher noch Jerseys von Thomas Häßler, Thomas Hengen, Jens Nowottny und Michael Tarnat. „Die einzige Ausnahme machte ich bei Karlheinz Pflipsen. Er war einfach ein super Spieler, dazu noch von meinem Herzensverein. Mit ihm wollte ich unbedingt tauschen, obwohl ich nie mit ihm zusammenspielte!“

"Die einzige Ausnahme machte ich bei Karl-Heinz Flippen. Er war einfach ein super Spieler, dazu noch von meinem Herzensrein. Mit ihm wollte ich unbedingt tauschen!"

„Die einzige Ausnahme machte ich bei Karlheinz Pflipsen!“

Warten auf den Durchbruch in der Filmbranche

Nach seinen Engagements als Torwarttrainer beim Hamburger SV (07 – 10), SV Halstenbek-Relingen (12-13) und dem SC Paderborn (13-14) wartet Reitmaier zusammen mit einem befreundeten Amerikaner auf den Durchbruch in einer ganz anderen Branche. „Wir haben eine Produktionsfirma gegründet und unter anderem ein Drehbuch für einen Zeichentrickfilm geschrieben. Hierzu befinden wir uns in aussichtsreichen Gesprächen. Wenn alles klappt, dann steht die Finanzierung demnächst. Darauf haben wir lange warten müssen!“ Mit viel Glück reicht es dieses Mal auch zum Oscar. Wie schon in Norwegen.



Spielerinfo:

Claus Reitmaier, geb. 17.03.1964 in Würzburg:

Würzburger Kickers (84-86), Viktoria Aschaffenburg (86-89), Wiener SC (89-91), Stuttgarter Kickers (91-93), 1. FC Kaiserslautern (93-94), Karlsruher SC (94-98), VfL Wolfsburg (98-03), Borussia Mönchengladbach (2003-2004), Rot-Weiß Erfurt (04-05), Lilleström (2005), SV Halstenbek-Relingen (Oberliga, 12-13)


Die Trikotgalerie: 

1 Kommentar

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