„96 ist nach wie vor mein Verein!“

Wenn in und rund um Hannover die Rede vom „Fußballgott“ ist, dann ist klar, es geht um Carsten Linke. Den 50-Jährigen verbinden viele 96-Fans mit jener Zeit, als es bei „den Roten“ vor allem in eine Richtung ging: nach oben. Bei vergissmeintrikot.net präsentiert Publikumsliebling Linke nicht nur seine aufbewahrten Trikots aus der aktiven Zeit, er erinnert sich außerdem an die Aufstiege 1998 und 2002, den einstigen 96-Trainer Ralf Rangnick, an seine erste und letzte Saison in der 1. Bundesliga 2002 / 2003 und viele weitere Facetten bei seinem Herzensverein Hannover 96.

Das Aufstiegsspiel gegen Tennis Borussia Berlin 1998

Es lief die 84. Spielminute, als Fabian Ernst einen langen Ball in den Strafraum flankte. Der 1,89cm große Carsten Linke sprang hoch und köpfte den Ball in die Mitte auf 96-Stürmer Vladan Milovanovic. Was dann passierte, ließ das mit 50.000 Zuschauern prall gefüllte Niedersachsenstadion am 24.05.1998 komplett ausrasten. Der Serbe versenkte den Ball per Fallrückzieher im Tor von Goran Curko. Es war der Treffer zum 2:0 im Aufstiegsspiel gegen Tennis Borussia Berlin. In die 2. Bundesliga war Hannover 96 zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht aufgestiegen. „Uns war allerdings klar, dass wir im Falle des Elfmeterschießens den Aufstieg so gut wie sicher haben. Im Tor stand schließlich Jörg Sievers“, erinnert sich Linke. Und genau so kam es. Sievers, der schon 1992 den Weg zum legendären DFB-Pokalsieg ebnete, parierte die Elfmeter von Akrapovic und Copado. Zudem verschoss Isa. Ein Jahr nach den verlorenen Aufstiegsspielen gegen Energie Cottbus (0:0; 1:3) stiegen die Niedersachsen damit wieder in die 2. Bundesliga auf. Und das obwohl es nach 0:2-Hinspielniederlage in Berlin alles andere als rosig aussah für die Mannschaft von Trainer Reinhold Fanz. „Die Hinspielniederlage war verdient. TeBe verfügte über viele gute Einzelspieler. Den Unterschied im Rückspiel machten die Zuschauer und unser Team.“

„Diese Mannschaft passte einfach nicht zusammen!“

Das war nicht immer so. Zwei Jahre zuvor, als Linke vom damaligen Regionalligisten 1. FC Saarbrücken nach Hannover wechselte, stieg 96 mit erfahrenen Spielern wie Roger Prinzen oder Lothar Sippel ausgerechnet im Jubiläumsjahr aus der 2. Bundesliga in die Regionalliga Nord ab. „Diese Mannschaft passte einfach nicht zusammen. Beispielsweise wurde Ersatzkeeper Carsten Eisenmenger in Abwesenheit von Jörg Sievers, der wegen des Pfeifferschen Drüsenfiebers ausfiel, zum Kapitän gewählt.“ Für Linke noch heute eines von vielen Beispielen für das zerrüttete Verhältnis innerhalb der Mannschaft. „Allerdings hatte der Abstieg auch etwas Gutes.“ Denn in den Folgejahren entstand etwas bei 96. „Mit Martin Kind kam ein neuer Präsident. Außerdem setzten wir in dieser Situation auf die Jugend.“ Und aus dieser kamen eben Spieler wie Gerald Asamoah, Sebastian Kehl, Fabian Ernst, Raphael Schäfer, Volkan Arslan oder Damian Brezina. Zusammen mit den erfahrenen Akteuren wie Sievers oder eben Linke „hatten wir dann eine richtig gute Mischung“.

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„Ralf Rangnick kam zur richtigen Zeit!“

Und obwohl sich die Hoffnungsträger Asamoah (1999 zu Schalke 04), Addo (1999 zum BVB), Ernst (1998 zum Hamburger SV) und Sebastian Kehl (2000 zum SC Freiburg) nach dem Aufstieg reihenweise ins Oberhaus verabschiedeten, der Verein überdies noch Trainer wie Branko Ivankovic (99-00) oder Stanislav Levy (2001) verschliss, etablierte sich Hannover nach dem Wiederaufstieg in der 2. Bundesliga. Auch, weil das Gerüst bestehen blieb. Wichtige Voraussetzungen für einen ambitionierten Trainer wie Ralf Rangnick, der auf Levy folgte. „Er kam zur richtigen Zeit! Unter Ralf Rangnick hat es vom ersten Tag an Spaß gemacht. Er führte die Viererkette ein und hatte eine offensive Spielidee.“ Und er formte eine starke Elf, die mit 75 Punkten in der Saison 2001 / 2002 über viele Jahre einen Zweitligarekord aufstellte. Zu den Leistungsträgern in der Offensive zählten Jan Simak (18 Tore), Daniel Stendel (16 Tore), Jiri Kaufmann (11 Treffer) und Nebojsa Krupnikovic (9 Tore). Hannover 96 stieg mit elf Punkten Vorsprung auf den Viertplatzierten FSV Mainz 05 (64 Zähler) in die 1. Bundesliga auf. Für Linke „ging ein Traum in Erfüllung“.

Bundesligadebüt mit 36 Jahren

So debütierte der Abwehrspieler am 11. August 2002 im Alter von 36 Jahren in der 1. Bundesliga. „Wir spielten beim Hamburger SV und lagen zur Pause mit 1:0 in Führung. Irgendwann mussten wir dem hohen Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen. Jörg Albertz erzielte einen Doppelpack, das Spiel endete 2:1. Das Trikot des Hamburgers sicherte sich Linke trotzdem. „Es war ein Traum. Schon als Kind bin ich immer zu den Spielen des Hamburger SV, nun stand ich selbst auf dem Platz.“

Es folgten weitere Einsätze. Bis zum 9. Spieltag. „Vor der Saison habe ich mich mit Ralf Rangnick darauf verständigt, dass wir offen und ehrlich miteinander umgehen werden.“ Nach dem Spiel gegen den SV Werder Bremen (4:4) setzte Rangnick seinen Defensivakteur auf die Bank. „Er hat mir das wie besprochen mitgeteilt. Natürlich war das trotzdem nicht einfach.“ Linke aber stellte sich in den Dienst der Mannschaft und half mit, den Klassenerhalt seines Vereins, an dessen rasanten Aufstieg er in den Vorjahren so maßgeblich beteiligt war, zu sichern. Am 33. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach war es soweit. Jiri Stajner erzielte in der 90. Minute den Ausgleichstreffer zum 2:2. Wie in den vorherigen Spielen auch, wurde Linke eingewechselt. „Auch wenn es nur noch Kurzeinsätze waren, mir war wichtig, dass ich immer noch mithelfen konnte!“

„Das Trikot von Bastian bedeutet mir sehr viel!“

Sein ganz persönliches Erinnerungsstück an den letzten Profiauftritt vom 24.05.2003 in Bielefeld besitzt Linke noch heute. „Es ist das Trikot von Bastian Reinhardt. Für ihn war es ein bitterer Tag, Bielefeld stieg ab. Bastian wechselte zum HSV! Dieses Trikot bedeutet mir heute noch sehr viel, auch weil wir noch immer sehr gut befreundet sind.“

„96 ist nach wie vor mein Verein!“

Neben Linke beendete 2003 auch die 96-Ikone Jörg Sievers seine Karriere. Beide bekamen Anschlussverträge. Sievers wurde Torwarttrainer und ist es noch heute. Für Linke hingegen, der schon während seiner aktiven Zeit Teilaufgaben als Manager übernahm, endete die Zeit bei 96 im Jahr 2007. Als Manager-Assistent von Ricardo Moar und Ilja Kaenzig lief es zunächst gut. „Dann kam Christian Hochstätter!“ Der heutige Manager des VfL Bochum legte nicht viel Wert auf die Zusammenarbeit mit Linke, dessen Vertrag am 30. März 2007 vorzeitig beendet worden ist. Ein Nachtreten kommt für den sympathischen Niedersachsen indes nicht in Frage. „96 ist nach wie vor mein Verein!“ Zumal er sich heute, nach den Folgestationen als Manager und Geschäftsführer beim FC Carl Zeiss Jena, als Sporttherapeut im Klinikum Wahrendorff sehr wohl fühlt. „Die Aufgabe ist faszinierend und macht mir sehr viel Spaß!“ Eine Rückkehr in den Fußball schließt er dennoch nicht aus. „Sag niemals nie!“

Ob der Weg Linkes nochmal zurück in den Fußball führen wird, bleibt abzuwarten. Eine rhetorische Frage aber sei erlaubt: Wer hätte in der vergangenen Spielzeit, als Hannover 96 lange Zeit vergeblich um die Unterstützung seiner Fans buhlte, besser vermitteln können, als jemand, der sportlich entscheidend zum Aufstieg des Vereins beigetragen hat, eine Identifikationsfigur ist, der die Sprache der Fans spricht und den sie ihn Hannover Jahre nach seiner aktiven Zeit noch immer als „Fußballgott“ begrüßen?

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