„Das Faber-Trikot ist heute Kult!

Die Aufholjagd kam zu spät! Der Anschlusstreffer von Rainer Ohlhauser in der 90. Minute konnte den Sieg des VfL Bochum nicht mehr gefährden. Denn dank der vorherigen Treffer von Jürgen Jansen (5.) und Werner Balte (56., Originaltrikot siehe Bilder) gewann der damalige Regionalligist das DFB-Pokalhalbfinale gegen den Titelverteidiger und amtierenden Europacup-Sieger der Pokalsieger FC Bayern München mit 2:1. Unter den 40.000 Zuschauern an jenem 15. Mai 1968 war auch ein Achtjähriger, der das Spiel von der damaligen Laufbahn aus mitverfolgte – Bernd Kreienbaum. „Es war mein erster Stadionbesuch überhaupt“, erinnert er sich. Gleichzeitig war es der Beginn einer Leidenschaft, die fast ein halbes Jahrhundert überstand und der Kreienbaum mit seiner beeindruckenden Trikotsammlung vom VfL Bochum Ausdruck verleiht.

„Ich bin zweisprachig aufgewachsen!“

Schuld an allem ist sein Vater. „Er war total fußballverrückt. Wer in den 50ern für den VfL spielte, konnte er auswendig aufsagen.“ Kein Wunder also, dass der inzwischen verstorbene Senior seinen Filius irgendwann gewissermaßen „impfte“. „Allerdings“, so Kreienbaum, „wuchs ich zweisprachig“ auf. „Wir lebten in Bochum, aber mein Vater war auch Schalke-Anhänger.“ Heute gesteht er: „Ich wehre mich nicht mehr dagegen, mein Herz hängt auch ein bisschen an Schalke!“ Es verwundert nicht. Das Wochenendprogramm der Kreienbaum-Männer sah meist zwei Stadionbesuche vor. „Am Samstag fuhren wir ins Parkstadion, am Sonntag mit dem Fahrrad an die Castroper Straße!“
Kreienbaums klare Nummer eins jedoch wurde der VfL. Und er ist es bis heute. „Bochum war immer der Underdog, das gefiel mir schon damals.“ Zusammen mit seinem Vater und Freunden erlebte der Trikotsammler „intensive 70er, das prägte!“ Dabei blieben die großen Erfolge aus. Zwar stiegen die Bochumer 1971 aus der Regionalliga West in das Oberhaus auf, doch binnen der 22 Folgejahre in der 1. Bundesliga sprang nie mehr als der 8. Tabellenrang raus. Exakt zwei Dekaden nach der 1:4-DFB-Pokalfinalniederlage gegen den 1. FC Köln scheiterten die Bochumer erneut im Finale, dieses Mal gegen Eintracht Frankfurt (0:1).

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https://www.youtube.com/watch?v=OJ3QK_9hwUg

Die sportliche und modische Achterbahnfahrt der 90er

Kreienbaum störte das nicht. „Die erste Dauerkarte kaufte ich mir 1992 / 1993.“ Und für das, was ihn ab jener Spielzeit beim VfL erwartete, wäre der Vergleich mit einer Achterbahnfahrt noch geschmeichelt. Die im kollektiven Gedächtnis schon als „Unabsteigbaren“ abgespeicherten Bochumer traten 93 den bitteren Gang in die 2. Liga an. Es war der erste von insgesamt drei Bundesligaabstiegen (1995, 1999) in den 90ern. Dem gegenüber stehen aber auch drei Aufstiege (1994,1996, 2000) und die Qualifikation für den UEFA-Cup im Jahre 1997 unter Klaus Toppmöller. Für Aufsehen sorgten zudem die Trikots. Noch heute hat das Faber-Trikot aus der Spielzeit 97 / 98 und 98 / 99 seinen Platz unter den hässlichsten Trikots aller Zeiten sicher. Kreienbaum hat seine ganz eigene Sichtweise: „Heute ist das Faber-Trikot Kult!“ Und es hatte auch seine Vorteile. Der langjährige Mittelfeldregisseur Dariusz Wosz „kam damit gut zurecht, weil er seine Mannschaft von der gegnerischen besser unterscheiden konnte“. Kreienbaum weiß es aus einem Gespräch mit der einstigen „Zaubermaus“. Dass es hierzu überhaupt kam, ist auf seine Trikotsammlung und dem daraus resultierenden Bekanntheitsgrad zurückzuführen.

„Im Jahr 2000 begann ich mit der Trikotsammlung!“

Weil ein Kumpel nicht konnte, besuchte Kreienbaum die Fußballkultur-Ausstellung „Der Ball ist rund!“ im Gasometer in Oberhausen. „Dabei gab es legendäre Trikots zu begutachten, zum Beispiel das der Braunschweiger Eintracht mit der Jägermeister-Werbung. Mich interessierte damals schon die Geschichte dazu und wer darin auflief!“ Es war der Startschuss für seine eigene Sammlung, die inzwischen 435 Trikots umfasst.

Mit den Jahren stieg der Bekanntheitsgrad des Trikotsammlers

Ob die „Welt am Sonntag“, „Sky“ oder die Westdeutsche Allgemeine Zeitung – mit den Jahren berichteten immer mehr über den Trikotsammler aus Bochum. Eine ganz besondere Ehre wurde Kreienbaum in der Saison 2010 / 2011 zuteil. Der VfL veröffentlichte im Stadionheft zu jedem Heimspieltag einen Bericht, in dem der 56jährige mit einer Vereinsikone über ein besonderes Trikot und deren Geschichte spricht. Neben Wosz lernte der Geschäftsführer einer Bio-Bäckerei noch weitere Spieler kennen. Dieter Versen, Walter Oswald, Klaus Franke oder etwa Thomas Ernst. „Für mich war das natürlich ein Traum!“ Einer von vielen, der sich im Laufe der Zeit erfüllte. Vielleicht kommt ja noch einer dazu. „Mein großer Traum ist ein VfL-Oberliga-Trikot aus den 50ern. Eben aus jener Zeit, in der sein Vater die Namen der Bochumer Fußballspieler auswendig aufsagen konnte!“

Sowohl auf seiner Homepage als auch auf seiner Facebook-Seite stellt Kreienbaum sein Trikotmuseum vor. Doch nicht nur Trikots in allen möglichen Variationen, sondern auch Autogrammkarten, Wimpel, Eintrittskarten und Fotos sind dort zu finden. Schaut mal rein!

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