„In Kaiserslautern war eine Woche lang Volksfeststimmung!“

Es war die Überraschung der Saison: Der 1. FC Kaiserslautern wird ein Jahr nach dem Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga Deutscher Meister. Der Vater des Erfolges: Otto Rehhagel. An die Trainer-Legende und die Saison 1997 / 1998 erinnert sich mit Andi Buck ein Spieler zurück, für den es bereits der zweite Meistertitel seiner Karriere war. Und er präsentiert die Highlights seiner aufbewahrten Trikots.

„Ich bin zufrieden, nicht nur mit meiner sportlichen Karriere“, sagt Andreas Buck heute. Der einstige Bundesligaprofi hat ihn erfolgreich gemeistert, den Übergang vom Fußballprofi ins "zweite" Berufsleben. Nach seinem Karriereende übernahm er 2003 die Versicherungsagentur des Onkels in Geislingen, seinem Geburtsort. Darüber hinaus betreut er vom heutigen Wohnort Kaiserslautern vorrangig aktuelle und ehemalige Bundesligaprofis. „In erster Linie geht es darum, ein Vorsorgekonzept für Profisportler zu entwickeln. Sich darüber im Klaren zu sein, dass man auch für die Zeit danach planen muss, ist ungemein wichtig!“ Ob Roman Weidenfeller, Guido Buchwald, Ioannis Amanatidis, Andreas oder Michael Zeyer, sie alle zählen zu seinem Kundenstamm. „Ein sehr angenehmer Nebeneffekt meines Berufes. Vor kurzem sprach ich mit Jonathan Akpoborie, er lebt aktuell in London.“ Ein immer wieder wichtiges Gesprächsthema ist die rückwirkende Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber der Berufsgenossenschaft. „Wenn sich ein Spieler während seiner aktiven Zeit verletzt und die Schäden bleiben, dann gibt es von der Berufsgenossenschaft dafür einen finanziellen Ausgleich.“ Davon profitiert hat unter anderem auch Giovane Elber, der ebenfalls zu Bucks Klientel gehört.

„Entschuldige wegen damals, hier hast du ein Paar Schuhe!“

Buck selbst blieb von schweren Verletzungen verschont. „Ich hatte Glück!“ Dabei sah es zu Beginn seiner Karriere nicht danach aus. „Meine große Stärke war die Schnelligkeit. Günther Schäfer fand das während meines ersten Probetrainings beim VfB Stuttgart nicht so lustig.“ Der Routinier senste den damals 18jährigen im Training um. „Nach zehn Minuten musste ich mit einem Bänderriss raus. Das war wirklich bitter!“
Buck, der zu dieser Zeit noch für Geislingen im Amateurbereich kickte, zog es in der Folge zum SC Freiburg, wo er sich zunächst in der 2. Bundesliga etablierte. 1990 fragte der VfB erneut an. Und auch im zweiten Probetraining spielte Günther Schäfer eine tragende Rolle. „Ich hatte meine Fußballschuhe vergessen. Er kam zu mir und sagte: ,Entschuldige wegen damals, hier hast du ein Paar Schuhe!´“ Dieses Mal klappte es. Der VfB Stuttgart nahm den 22jährigen unter Vertrag. Doch ehe Buck so richtig Fahrt aufnehmen konnte, verstrich noch etwas Eingewöhnungszeit.
„Mit Guido Buchwald und Karl Allgöwer zusammenzuspielen, das war schon unglaublich und der absolute Wahnsinn. Zu Beginn war ich noch viel zu brav und ehrfürchtig unterwegs.“ Zudem erschwerte ihm dieselbe Verletzung wie schon vier Jahre zuvor den Durchbruch. „Michael Frontzeck zogen sie im Training des Öfteren auf, weil ich ihn ständig überlief. Irgendwann setzte auch er ein Zeichen.“ Die Konsequenz: Wiederum Bänderriss, wiederum wochenlange Pause.

„Diese Aktion war eine Schlüsselszene für mich!“

Klar, dass Buck unter Trainer Willi Entenmann nicht so richtig zum Zug kam. Doch mit der Verpflichtung von Christoph Daum im November 1990 änderte sich Vieles für den pfeilschnellen Außenläufer. „Daum sagte: ,Du kriegst zehn Spiele. Wenn du mich nicht überzeugst, dann wirst du nie wieder bei mir spielen´. Für mich war das die Chance!“ Und er nutzte sie.
Daum, der schon zu Kölner Zeiten Interesse am Mittelfeldspieler bekundete, setzte den Newcomer ausgerechnet im mit Spannung erwarteten Duell am 24.11.1990 gegen den 1. FC Köln von Beginn ein. „Wir lagen 0:2 zurück.“ Dann folgte die Aufholjagd. Ludwig Kögl und Matthias Sammer glichen zunächst zum 2:2 aus, ehe Karl Allgöwer zum umjubelten 3:2 traf. Die Vorlage lieferte Buck, der zuvor mit Henrik Andersson einen zu dieser Zeit besten Linksverteidiger alt aussehen ließ. „Diese Aktion war eine Schlüsselszene für mich und mein Standing innerhalb der Mannschaft. Fortan war ich einer von ihnen“, erinnert sich Buck, der seinen Trainer auch in den weiteren Spielen überzeugte und fortan zum Stamm der VfB-Elf zählte.

Die Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart in der Spielzeit 1991 / 1992

Und das trotz der großen Konkurrenz um Stars wie Buchwald, Sammer, Gaudino oder Walter. „Für einen jungen Spieler ist es sehr schwer, das einzuordnen.“ Buck jedoch meisterte es in der Folgesaison mit 30 Spielen im wahrsten Sinne des Wortes. „Dass wir die Schale holen können, haben wir erst vier Minuten vor dem Abpfiff im letzten Spiel realisiert.“ Guido Buchwald traf in der 86. Minute zum 2:1 in Leverkusen. Doch das allein reichte nicht. Die punktgleiche Frankfurter Eintracht durfte aufgrund des besseren Torverhältnisses zeitgleich nicht in Rostock gewinnen. „Und das war eigentlich ausgeschlossen. Frankfurt spielte den besten Fußball und verfügte über richtig gute Spieler. Zudem zählte Rostock zu den Abstiegskandidaten.“ Nach dem Treffer von Stefan Böger in der 89. Minute zum 2:1 für Hansa wurden die Hoffnungen der Frankfurter jedoch endgültig zerstört.
In Stuttgart hingegen war der Jubel groß. „Der Empfang der Fans am Flughafen war toll“, erinnert sich Buck, für den es der größte Erfolg im Dress der Stuttgarter blieb.

Das Trikot vom legendären Spiel gegen Leeds United besitzt Buck noch heute

Was auch mit dem Trainer zusammenhing. Buck: „Christoph Daum stieg der Erfolg etwas zu Kopf. Er entwickelte eine gewisse Arroganz.“ Und diese wurde ihm später zum Verhängnis. Einen großen Anteil daran trägt der folgenschwere Einwechselfehler im Rückspiel der Champions League Vorrunde gegen Leeds United. „Leeds verfügte über einen sehr starken Kader. Zum Beispiel spielte Eric Cantona dort.“ Nichtsdestotrotz gewann der VfB das Hinspiel mit 3:0. Andi Buck gelang dabei der dritte Treffer. Und auch im Rückspiel traf er zum zwischenzeitlichen 1:1. Das hätte trotz der 1:4-Niederlage zum Einzug in die nächste Runde gereicht. Wenn Daum mit Jovica Simanic nicht den vierten Ausländer (zu dieser Zeit noch ein Regelverstoß) eingewechselt hätte. „Noch im Flieger sagte unser damaliger Präsident Gerhard Mayer Vorfelder: ,Tut einfach so, als wäre das nicht passiert. Vielleicht haben wir Glück und es wird nicht bemerkt!“ Ein erfolgloser Hinweis. „Kurz nach der Ankunft sprach uns der erste Reporter darauf an.“
Das Duell wurde mit 3:0 für Leeds gewertet und es kam zum Entscheidungsspiel in Barcelona. Leider unterlief mir dann der Fehler, der zum 1:2 führte. Wir schieden aus!“ Noch heute besitzt Buck das Trikot vom ehemaligen englischen Nationalspieler Tony Dorigo. Er tauschte es am 30. September 1992 in Leeds.

Uli Hoeneß heizte die Stimmung auf dem Betzenberg zusätzlich an

Das Leeds-Jersey ist nicht der einzige Trikotschatz. „Etwas mehr als 50 Trikots besitze ich noch heute!“ Ein ganz besonderes Erinnerungsstück hängt im heimischen Büro in Kaiserslautern. Dort, wo Buck mit dem FCK die wohl überraschendste aller Meisterschaften erlebte. „Das Trikot von Giovane Elber stammt aus dem Rückspiel gegen die Bayern in unserer Meistersaison.“ Zu diesem Zeitpunkt, am 5.12.1997, führte der Aufsteiger Kaiserslautern unter dem Ex-Bayern-Trainer Otto Rehhagel die Tabelle an. Und dabei blieb es auch nach dem Freitagabendspiel, dessen Stimmung Uli Hoeneß zuvor zusätzlich anheizte: „Otto ist der richtige Trainer für viele Vereine dieser Welt, aber nicht für einen Weltverein!“

Der Betze bebte. „Die Stimmung war unglaublich!“ 38.000 Zuschauer sahen ein heiß umkämpftes Duell, in dem Dietmar Hamann mit einem Eigentor kurz vor der Pause die Führung der Hausherren erzielte. In der 85. Minute sorgte Marian Hristov dann mit dem 2:0 für die Entscheidung. Die Vorbereitung für den Treffer lieferte Andreas Buck. „Zwar waren wir ein Aufsteiger, doch die Qualität innerhalb dieser Elf war hoch. Zudem hatten wir einen sehr guten Teamspirit. Das war ausschlaggebend für die Sensation!“ Schon im vorletzten Saisonspiel sicherten sich die Lauterer dank eines 4:0-Sieges gegen den VfL Wolfsburg die Meisterschaft. „Eine Woche lang“, so Buck, „eine Woche lang war in Kaiserslautern Volksfeststimmung!"

Die Höhe der Meisterprämie hätte Buck selbst bestimmen können

Hätte sich Buck vor der Saison auf den Vorschlag des einstigen Lauterer Präsidenten „Atze“ Friedrich eingelassen, dann hätte er nach dieser Spielzeit bereits die Schuhe an den Nagel hängen können. „Ich wollte eine Abstiegsklausel, die mir garantieren sollte, den Verein im Abstiegsfall für eine Ablösesumme wieder verlassen zu können!" Friedrich indes machte einen Gegenvorschlag. „Du verzichtest auf die Klausel und wir verhandeln stattdessen eine Meisterprämie, deren Höhe du selbst in den Vertrag eintragen kannst!´“
Buck, der vom VfB Stuttgart zu einem Aufsteiger wechselte, dachte „nie im Traum“ (Buck) daran. Schlussendlich gab Friedrich nach. „Mir lagen noch Angebote von West Ham United und Werder Bremen vor. Lautern allerdings war mein Favorit, insbesondere wegen der Stimmung!“ Und diese genoss er noch viele Jahre. Auch der Versuch des VfB Stuttgart in der Winterpause 97 / 98, ihn vom 1. FCK zurückzuholen, änderte daran nichts. „Für mich war das Angebot auch ein bisschen Genugtuung“, gesteht Buck heute. „Unter Joachim Löw, der im August 1996 beim VfB übernahm und prompt DFB-Pokalsieger wurde, spielte er schließlich keine gewichtige Rolle mehr.

„Die Atmosphäre im Stadion, die Euphorie der Lautern-Fans, das alles werde ich nie vergessen!

Ganz im Gegenteil zu seiner Zeit beim 1. FC Kaiserslautern, wo er noch einige Highlights auf europäischer Bühne miterlebte. Etwa die folgende Champions League Saison, in der sich die Lauterer als bester Gruppensieger souverän durchsetzten und im Viertelfinale 1999 ausgerechnet Bayern München zugelost bekamen. „Bitter“, erinnert sich Buck, dessen Mannschaft 0:2 und 0:4 verlor. Oder der legendäre 2:0-Sieg gegen die Tottenham Hotspurs am 4.11.1999 im UEFA-Cup. „Das Hinspiel verloren wir mit 0:1 und bis zur 90. Minute stand es im Rückspiel noch 0:0.“ Dann sorgte Youri Djorkaeff mit zwei Sololäufen, die Buck jeweils mit einem Tor veredelte für die Überraschung der 2. Runde. „Die Atmosphäre im Stadion, die Euphorie der Lautern-Fans, das alles werde ich nie vergessen!“

Bucks Zeit beim FCK endete 2002. Nach Christoph Daum, Joachim Löw und Otto Rehhagel trainierte er noch eine Saison lang unter Jürgen Klopp beim FSV Mainz 05 in der 2. Bundesliga. „Wir tauschten uns häufig aus, verstanden uns prima. Allerdings hatten wir selten dieselbe Meinung in punkto Fußballfachfragen!“ Angesichts der weiteren Entwicklungen beider Weggefährten ein Indiz dafür, dass Buck beruflich den richtigen Weg eingeschlagen hat. Auch wenn er „Kloppo“ beim letzten Treffen scherzhaft etwas anderes vermittelte: „Wahnsinn, was du in einem Jahr bei mir gelernt hast!“

Trikotschätze der Ex-Profis per E-Mail

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